USA: Erschossene Mutter war Teil einer Bewegung zum Schutz von Migranten

Politik
US-IMMIGRATION-ICE-PROTEST

 „Ich möchte meine Schaukelstühle zurück/solipsistische Sonnenuntergänge/& Küsten-Dschungelgeräusche, Terzette (italienische Versformen; Anm.) von Zikaden und Pentameter von den haarigen Beinen von Kakerlaken.“ So beginnt das Gedicht der ehemaligen Literaturstudentin Renee Nicole Good, mit dem sie unter dem Pseudonym Renee Nicole Macklin 2020 einen Lyrik-Wettbewerb gewann.

Doch die dreifache Mutter (37) wird keine Sonnenuntergänge mehr genießen können und keine Gedichte mehr schreiben – sie wurde in der Vorwoche von einem Beamten der US-Einwanderungsbehörde ICE in Minneapolis (Minnesota) in ihrem Auto mit einem Kopfschuss getötet. Aus Trauer und Wut gingen landesweit Tausende Menschen auf die Straße.

Während die US-Administration unter Präsident Donald Trump von absoluter Notwehr spricht, scheinen Videos das Gegenteil zu beweisen. Demnach dürfte sie ihren Wagen nicht auf den ICE-Mann zugesteuert haben, wie behauptet, sondern von ihm weg. Auch der Vorwurf sie sei Teil eines linksextremistischen Terrornetzwerkes dürfte konstruiert sein.

Faktum ist, dass Renee Nicole Good Teil einer zivilgesellschaftlichen Bewegung war, die das Vorgehen der ICE genau verfolgt und die Bevölkerung vor aktuellen Operationen der Behörde warnt. Ausgestattet mit Kameras (in der Regel Handy-Kameras) dokumentieren sie das Einschreiten der ICE. Und wenn die Aktivisten Vertreter der Behörde ansichtig werden, pusten sie zwei Mal kurz in ihrer Trillerpfeifen, sollte ein (vermeintlicher) Migrant festgenommen werden, ist das Erkennungszeichen dafür ein länger anhaltender Ton aus dem Pfeifchen.

APA/AFP/GIORGIO VIERA

Landesweite Proteste in den USA gegen die Erschießung der 37-jährigen Dreifachmutter

„Wir hatten diese Trillerpfeifen, sie hatten Schießeisen“, sagte Rebecca „Becca“ Good nach dem Tod ihrer Frau, den sie mitansehen musste. Und sie fügt gegenüber einem lokalen Medium hinzu: „Wir hatten zuletzt diese Form der Unterstützung für unsere Nachbarn gestoppt“, ihre Lebenspartnerin habe bloß den Sohn zur Schule gebracht.

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Solche Gruppen, die vulnerabel Teile der Gesellschaft vor möglichen Übergriffen der US-Behörden warnen wollen, habe sich nach dem Tod des Schwarzen George Floyd gebildet. Ein weißer Polizist kniete am 25. Mai 2020 so lange auf dem Hals des 46-Jährigen, bis dieser starb. Auch dieser Vorfall ereignete sich in Minneapolis.

REUTERS/Brian Snyder

Martialisches Auftreten der Bundesbehörden in Minneanapolis 

Da seit dem massiven Auftreten der ICE-Leute immer wieder auch unbescholtene Bürger ins Visier geraten und vor allem auch Schulen, sind dort die Aktivisten-Gruppen besonders aktiv: Sie formieren sich unter anderem zu schützenden Menschenketten, damit die Burschen und Mädchen unbehelligt die Bildungsstätten betreten und wieder verlassen können. Andernorts besorgen sie jenen Migranten-Familien Lebensmittel, das  aus Sorge um eine Festnahme  ihre Wohnungen kaum noch verlassen.

Österreich: Schriftsteller bekunden Solidarität

Der gewaltsame Tod der jungen Mutter hat auch in Österreich Trauer und Entsetzen ausgelöst. Österreichische Schriftsteller und Schriftstellerinnen rund um Franzobel und Gerhard Ruiss haben ein Personenkomitee „Renee Nicole Good“ ins Leben gerufen. Begründung: Bis vor Kurzem sei es unvorstellbar gewesen, dass sich „eine solche Szene in den USA ereignen könnte, der nicht Betroffenheit und Einsichten folgen, sondern Rechtfertigungen wie ,Notwehr und Selbstverschulden’ …, statt Trauer zuzulassen und der Erschossenen ihre Würde zuzugestehen.“

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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