Wie die ÖVP-Macht in den Städten Westösterreichs erodiert

Politik

In Dornbirn hat die SPÖ den bisher schwarzen Bürgermeistersessel erobert. Die urbane ÖVP-Schwäche zieht sich durch drei ihrer Kernländer

Vorarlbergs ÖVP-Chef und Landeshauptmann Markus Wallner nannte es am Sonntag einen „Wermutstropfen“. Doch die Niederlage in Dornbirn dürfte eher nach Magenbitter schmecken und nur schwer verdaulich sein. 

In einer Stichwahl um das seit 1945 von der ÖVP gehaltene Bürgermeisteramt setzte sich überraschend und klar Markus Fäßler von der SPÖ gegen den schwarzen Duellpartner Julian Fässler durch.

Schwacher Trost

Dass die Volkspartei zumindest im Gemeinderat der größten Stadt des Bundeslandes stärkste Kraft bleibt und am Stichwahl-Sonntag in vier anderen Gemeinden – darunter die Stadt Feldkirch – die Oberhand behielt, kann für Wallner nur ein schwacher Trost sein.

APA/SPÖ DORNBIRN/UNBEKANNT

Markus Fässler (SPÖ) wird Bürgermeister in Dornbirn

Denn in der Ländle-Wirtschaftsmetropole Dornbirn setzt sich ein urbaner Negativtrend für die ÖVP fort. Der macht auch vor den anderen zwei schwarzen Kernländern im alpinen Westen – Tirol und Salzburg – nicht Halt, in denen die Volkspartei in der Vergangenheit nicht nur am Land, sondern auch in vielen Städten das Sagen hatte.

Strategisches Problem

„Die Probleme der ÖVP sind viel mehr als ein Tröpflein“, sagt Politikwissenschafter Peter Filzmaier in Anspielung auf die Wermut-Analyse des Vorarlberger Landeshauptmanns. „Man wird in den Städten immer schwächer und hat vor allem ein langfristiges strategisches Problem. Denn es wächst die Stadtbevölkerung und es schrumpft die Landbevölkerung.“

In Vorarlberg stellt die ÖVP nunmehr in nur noch zwei von fünf Städten den Bürgermeister. 2015 verlor sie Hohenems an den Ex-FPÖ-Landeschef Dieter Egger, der nun bereits zum zweiten Mal sein Amt in direkter Wahl verteidigen konnte. 

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2020 setzte sich Ex-SPÖ-Chef Michael Ritsch in der Landeshauptstadt Bregenz überraschend in einem Duell gegen ÖVP-Langzeit-Bürgermeister Markus Linhart durch. Dieses Mal musste Ritsch nicht einmal mehr in die Stichwahl, obwohl die Volkspartei ihren langjährigen Landtagsklubchef Roland Frühstück ins Rennen geschickt hatte. Der 67-Jährige war chancenlos.

Schwere Niederlage in Innsbruck

Auf ein junges Gesicht hatte ÖVP-Landeshauptmann Anton Mattle in Tirol 2024 bei der Mission „Rückeroberung der Landeshauptstadt Innsbruck“ gesetzt. Aus der Position eines Staatssekretärs gestartet, war aber für den damals 35-jährigen Florian Tursky nichts zu holen.

Trotz Wahlkampfkosten von über einer Million Euro und der Fusion mit der 1994 vom späteren ÖVP-Landeshauptmann Herwig van Staa gegründeten Abspaltung „Für Innsbruck“, die bis zum Sieg des Grünen Georg Willi 2018 die Stadtchefs stellte, kam Tursky in der Bürgermeisterwahl nur auf Platz fünf. 

Den Sieg über Willi trug ausgerechnet der von der ÖVP ausgebootete und mit eigener Liste angetretene Johannes Anzengruber davon.

Bürgermeisterwahlen sind Persönlichkeitswahlen. Der ÖVP gelingt es aber offenkundig immer schwerer, im städtischen Bereich zugkräftige Kandidaten zu präsentieren. 

„Solche Personen werden ja nicht vom Osterhasen oder vom Christkind gebracht. Sie sollten das Ergebnis eines langfristigen Rekrutierungsprozesses sein. Da scheitert die ÖVP zunehmend“, sagt Filzmaier.

Stadt um Stadt in Tirol verloren

Abseits von Innsbruck hat die ÖVP etwa in Tirol seit 2010 die städtischen Bürgermeisterämter in Kufstein und den einstigen schwarzen Hochburgen Lienz, Hall und Schwaz verloren. „Es scheint, als ob bei der ÖVP der Umdenkprozess noch nicht stattgefunden hat, dass das keine Erbpachten sind, bei denen es egal ist, wenn man aufstellt“, glaubt der Politikwissenschafter.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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