
Wie viele Tote es wirklich sind, weiß niemand so genau. 192 namentliche Opfer zählte Iran Human Rights (IHRNGO) mit Sitz in Oslo, andere Menschenrechtseinrichtungen befürchten viele mehr. Und ob stimmt, was aus Social Media die Runde macht, ist von außen ebenso schwer zu beurteilen: Dort heißt es, die Revolutionsgarden feuern auf die Protestierenden im Iran, in großer Zahl. Doch das Regime hat das Land abgeriegelt, Internet und Telefone sind seit drei Tagen quasi tot.
Warten auf die Antwort der USA
Seit mehr als zwei Wochen gehen die Menschen im Iran auf die Straße, und seit dem Wochenende schwebt über all dem eine große Frage: Wie werden die USA auf die Gewalt im Iran reagieren? Präsident Donald Trump hatte bereits vor einigen Tagen angedroht, die Vereinigten Staaten könnten den Protestierenden zu Hilfe kommen. Martialisch hatte er geschrieben, man stehe Gewehr bei Fuß: „Ihr solltet besser nicht anfangen zu schießen, denn dann werden wir auch schießen“, so Trumps Worte. Das dürfte nun passiert sein.
Aus Washington sickerte am Sonntag durch, dass der US-Präsident sich nun über alle Optionen eines militärischen Eingreifens im Iran hat briefen lassen. Auch US-Außenminister Marco Rubio und Israels Premier Benjamin Netanjahu sollen über konkrete Möglichkeiten einer US-Intervention im Iran gesprochen haben, Israels Militär ist in Einsatzbereitschaft.
In der Zwickmühle
Allein dass die Beratungen öffentlich gemacht wurden, ist ein Signal an die Führung in Teheran, die Lage nicht eskalieren zu lassen. Dort ist man bereits seit der Inhaftierung von Venezuelas Machthaber Nicolas Maduro durch die USA nervös, dass dem Iran ein ähnliches Szenario drohen könnte – Spekulationen über eine ähnliche Mission gegen hochrangige iranische Regimevertreter, etwa auch den Obersten Führer Ayatollah Khamenei, machen seit Tagen die Runde.
EPA/IRAN’S SUPREME LEADER OFFICE HANDOUT
Irans oberster Führer Ayatollah Ali Khamenei.
Doch ganz so einfach ist die Lage für Washington nicht. „Wenn die USA zu wenig tun, könnten sie möglicherweise nichts bewirken. Wenn sie zu viel tun, könnten sie möglicherweise alles zerstören, mit unvorhersehbaren Folgen für alle“, schreibt etwa Ali Vaez von der International Crisis Group, einem renommierten Brüsseler Think Tank. Ein symbolischer Schlag gegen einen Regimevertreter etwa könnte die Proteste zum Erliegen bringen, weil es den Furor des Regimes anfeuern und die Protestierenden demoralisieren kann, die sich mehr Hilfe von den USA erwartet hätten. Eine Maduro-ähnliche Mission gegen Khamenei, eine Enthauptung des theokratischen Staates also, ist hingegen voller Unwägbarkeiten: Das würde wohl einen internen Machtkampf auslösen, Experten befürchten dabei ähnliche Szenarien wie in Syrien – bis hin zu Zerfallserscheinungen des Staates.
Dazu kommt, dass die USA – anders als im Juni, als sie Israel beisprangen und im Rahmen der Operation Midnight Hammer drei zentrale Nuklearanlagen bombardierten – derzeit nicht die regionalen Kapazitäten für einen großen Schlag haben. Es sind nicht genug nennenswerte Kräfte, anders damals ist etwa kein Flugzeugträger in der Region stationiert.
Und dass die Golfstaaten sich als Basis für einen US-Luftschlag hergeben, ist aus Angst vor Vergeltung aus Teheran auch unwahrscheinlich. Die USA verfügen über eine große Zahl an Militärbasen im Irak, Bahrain, Kuwait, Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten – die wären dann Ziel Nummer …read more
Source:: Kurier.at – Politik



