Zwischen Mangel und Zwangsbeglückung: Kritik an Chancenbonus-Zuteilung

Politik

400 Schulen mit besonders vielen bildungsfernen Migrantenkindern bekommen ab Herbst per „Chancenbonus“ mehr Unterstützungspersonal. An der Auswahl des Bildungsressorts gibt es jedoch Kritik: Besonders belastete Schulen seien leer ausgegangen, andere zur Teilnahme am eigentlich freiwilligen Programm gedrängt worden. Die Lehrervertretung bezweifelt, dass man das versprochene Zusatzpersonal findet.

Prinzipiell sei es eine „schöne Sache“, wenn ab dem kommenden Schuljahr Volks- und Mittelschulen mit besonders schwieriger Ausgangslage mehr Ressourcen bekommen, betonte Lehrergewerkschafter Paul Kimberger (FCG) gegenüber der APA. „Es sind aber immer noch zu wenig, das kann nur ein erster Schritt sein. Viel mehr Schulen bräuchten dringend Unterstützung.“

Aus der ÖVP Niederösterreich war schon vor Bekanntgabe der 40 konkreten Standorte scharfe Kritik an Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) gekommen. Dieser versuche, seine Versäumnisse als Wiener Bildungsstadtrat wettzumachen, indem er Bundesmittel in die Bundeshauptstadt verfrachte, statt sie gleichmäßig auf alle Bundesländer zu verteilen.

Forderung nach mehr Förderung

Der Hintergrund: Von den 400 Chancenbonus-Schulen sind 228 in Wien, wo es laut Daten der Statistik Austria besonders viele Kinder mit Migrationshintergrund, einer anderen Alltagssprache als Deutsch und Eltern mit wenig Bildung und geringem Einkommen gibt. An den Volksschulen fallen bei der davon ausgehend berechneten sozioökonomischen Ausgangslage (SÖL) 58 Prozent der Volksschulen in die untersten beiden Kategorien, im Österreich-Schnitt sind es nur 13. In Niederösterreich, wo 27 Schulen einen Chancenbonus erhalten, fallen dagegen nur sechs Prozent der Schulen in die unterste Kategorie. An diesem Verteilungsmodell gebe es aber nicht nur in Niederösterreich Zweifel, berichtete Kimberger.

Auch Andreas Rabl, FPÖ-Bürgermeister von Wels, findet die Kriterien nicht nachvollziehbar. „Wir können nicht zufrieden sein mit dem, was wir bekommen haben“, kritisierte er in den „Oberösterreichischen Nachrichten“. In Wels gibt es insgesamt 12 Standorte mit „Chancenbonus“, das sind drei Viertel der dortigen Volks- und die Hälfte der Mittelschulen. Der Anteil der außerordentlichen Schülerinnen und Schüler, die wegen Problemen mit der Unterrichtssprache Deutschförderklassen oder -kurse besuchen, ist in den Welser Volksschulen mit 25 Prozent besonders hoch.

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In Vorarlberg sieht man nicht nur ein „Verteilungsmodell, das Wien massiv bevorzugt und andere Bundesländer benachteiligt“. Barbara Röser von der ÖVP-nahen Lehrervertretung beklagte in der „Krone“ zuletzt sogar eine Verschlechterung im Vergleich zum Status Quo. In Vorarlberg wird durch den Chancenbonus nämlich ein seit Jahren etabliertes Sozialindex-Modell abgelöst. Die Neuregelung bringe jetzt massive Verschiebungen. Schulen, die eigentlich zusätzliche Unterstützung bräuchten, würden durch die neuen Kriterien plötzlich nicht mehr erfasst.

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Zweifel an Umsetzbarkeit

Gleichzeitig habe es auf Schulen, die eigentlich ursprünglich nicht beim Chancenbonus-Programm mitmachen wollten, von den Behörden gehörigen Druck gegeben, berichtete Kimberger. Einige Direktorinnen und Direktoren hätten sich wegen einer Stigmatisierung durch das Label „Chancenbonus“-Schule gesorgt, andere wollten sich dem Lehrervertreter zufolge den „enorm hohen bürokratischen Aufwand“ beim Bewerbungsverfahren und der Konzeptarbeit und Evaluation während des Projekts selbst ersparen, zu dem neben Zusatzpersonal auch Schulentwicklung mit externer Beratung und Vernetzung mit anderen Schulen gehören. „Darin empfinden viele Schulen keinen Benefit, sondern fühlen sich nur gegängelt.“

Das eigentliche Problem sieht der Gewerkschafter aber ohnehin weniger in der Zuteilung als bei der Umsetzbarkeit. „Ich glaube, die große Ernüchterung wird ab April bei der …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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