
150.000 Schilling für 54 Tore bekam die Austria vor 40 Jahren in Wien 15 nach ihrem Turnier-Triumph in der ausverkauften Stadthalle. Während in Wien 14 die weltbesten Skistars zum Nulltarif fuhren. Und zu gleicher Zeit die Springer Ernst Vettori und Franz Neuländtner trotz ihres Doppelerfolgs bei der Vierschanzentournee nicht wirklich reich wurden.
Gleich an drei Fronten passierte am Dreikönigstag 1986 Ungewöhnliches. Was die Wiener Weltcup-Premiere betraf, ist der KURIER sogar mit schuld gewesen. Die Vorgeschichte:
„Merde“, hatte Weltcup-Gründer und Präsident Serge Lang in Courmayeur geschrien, als er vor dem Slalom in der Mont-Blanc–Region frustriert auf apere Steilhänge blickte. Der Elsässer, der in vier Sprachen so temperamentvoll fluchen konnte, war in heute unvorstellbarer Doppelfunktion Weltcupboss und Journalist bei der L’Equipe und dem Zürcher Blick, weshalb wir Reporter neben ihm im Pressesaal arbeiten und ihn duzen durften.
Da ich telefonisch von daheim erfahren hatte, dass zwei Rapid-Buam vor ihrer Penzinger Wohnanlage im Tiefschnee eine Schanze bauen, erlaubte ich mir die Worte: „Net vorm Mont-Blanc, lieber Serge, musst a Rennen machen, sondern im Zentrum des Schnees. In Wien.“ Lang nahm den Gag ernst, indem er sagte: „Wenn Du mir Kontakt zum Bürgermeister herstellst, fahren wir in Wien.“ Meine Polit-Kontakte reichten zwar nur zum sportverrückten SP-nahen Stadtrat-Pressechef Hans Hofstätter. Doch der spielte den Ball sofort weiter an die Rathausobersten Und so wurde die Hohe-Wand-Wiese Schauplatz eines Parallelslaloms, zumal der tirol-dominierte ÖSV nix zu sagen hatte, wenn Visionär Lang befahl.
Sogar der legendäre Ingemar Stenmark kam, sah eine von der FIS voreilig eingeebnete Piste und – schied in Runde 1 aus. Noch in Gröden und Val d’Isere hatte die FIS, die in Wien zum Ärger von Serge Lang zwei Hügerln abtragen ließ, 50-Meter-Sprünge erlaubt.
Ivano Edalini siegte schließlich vor Markus Wasmeier und Anton Steiner. Und war trotzdem enttäuscht. Zumal der rote Peugeot, der als Siegespreis gedacht war, auf FIS-Geheiß unter den 8.000 Zuschauern verlost wurde. Darüber hinaus verbot der Schweizer FIS-Delegierte aus moralischen Gründen dem Italiener das Verspritzen des Siegersektes. Das Klima zwischen Weltskiverband und Läufer war damals besonders unterkühlt.
Dass Wien nie wieder eine Weltcup-Chance erhält, ist dem wahren Klimawandel geschuldet. Die Schneekanonen sind längst abgebaut. Nur ein Straßenschild mit dem Skilift-Symbol erinnert noch daran, dass auf der Hohen-Wand-Wiese skigefahren wurde.
Auch das früher so beliebte Stadthallen-Fußballturnier, in dem Austrias Parkett-Kaiser Herbert Prohaska am Dreikönigstag sogar von Rapid-Fans Szenenapplaus erhielt, gibt’s nicht mehr. Aus Termin- und finanziellen Gründen.
Source:: Kurier.at – Sport



