
Bei Damen und Herren stehen Österreichs Nationalteams so gut da wie seit Jahrzehnten nicht. Doch die Erfolge konnten nicht monetär genutzt werden.
Es sollte Aufbruchstimmung herrschen im österreichischen Eishockey nach den sensationellen Leistungen der Herren-Nationalmannschaft bei der WM im Vorjahr in Prag sowie dem Aufschwung im Frauen-Team.
Doch vor dem Beginn der Vorbereitung der Herren auf die WM in Stockholm und vor dem Abflug der Damen zur B-WM nach China stellt sich die zugespitzte Frage, wie lange sich Österreich die Teilnahme an Weltmeisterschaften überhaupt noch leisten kann.
Der österreichische Eishockey-Verband steht jedenfalls vor seinem finanziell wohl schwierigsten Jahr seit Jahrzehnten. „Wir haben im vergangenen Jahr aus dem operativen Ergebnis ein Minus von rund 300.000 Euro gemacht“, gab Präsident Klaus Hartmann am Montag auf KURIER-Anfrage zu.
Was den Verband noch rettet: Mit dem Gewinn aus der Veranstaltung der WM 1967 (11,5 Mio. Schilling) war eine Stiftung errichtet worden, die jahrzehntelang zweckgebunden Nachwuchsprojekte finanzierte. Die aktuelle Verbandsführung löste die Stiftung, die schon mehr als 3 Millionen Euro Vermögen hatte, aber auf. 1,6 Millionen Euro sind noch übrig.
„Wir haben eine extrem hohe Eigenkapitalquote“, sagt Hartmann. Doch die Gelder sind weiterhin im Sinne der Stiftung zweckgebunden und wären bald aufgebraucht, wenn sich am operativen Minus nichts ändert.
Dass dieses Minus nicht von alleine verschwindet, ist wahrscheinlich. Nicht einmal nach dem WM-Sieg gegen Olympiasieger Finnland und der historischen Aufholjagd gegen Kanada von 1:6 auf 6:6 bei der WM 2024 konnte ein finanzkräftiger Sponsor gewonnen werden.
Ganz im Gegenteil: Aufgrund der 150-prozentigen Erhöhung der Sportwettenabgabe durch die neue Regierung droht dem ÖEHV auch noch der Ausfall von Großsponsor win2day, der mit einer mittleren sechsstelligen Summe an Bord ist. „Wir haben mit win2day natürlich gesprochen. Wenn sich an den Vorhaben der Regierung nichts mehr ändert, dann muss win2day die Sponsorings zurückfahren.“ Der Vertrag mit dem Sportwettenanbieter läuft noch bis Ende 2025.
Hausgemachtes Problem
Das Budget des Verbandes beläuft sich auf 5,4 Millionen Euro (inklusive Schiedsrichter, die ein Durchlaufposten sind). Ein Mitgrund für die finanzielle Not sei auch die Inflation in Österreich. Hartmann sagt: „Im vergangenen Jahr sind die Kosten davongaloppiert. Die Hotels zum Beispiel sind im Vergleich zu 2018 um 50 Prozent teurer geworden. Die Förderungen der öffentlichen Hand sind hingegen nicht indexiert.“
Ein weiteres Problem ist ein hausgemachtes im Verband: Geschäftsführer Bernhard Friedrich ist zwar für die Erstellung der Budgets verantwortlich, die sportlich Verantwortlichen holen sich die Zusagen für ihre Programme aber vom Präsidium, das meist grünes Licht gibt.
Höhepunkt in Wien
Teamchef Roger Bader versammelt ab Dienstag jene Spieler, die nicht mehr in der Meisterschaft engagiert sind, in Wien zum ersten von fünf Camps. Am Freitag und Samstag wird gegen Lettland getestet, Höhepunkte sind die Duelle mit Weltmeister Tschechien (17., 19. April in Znaim und Linz) sowie das Spiel gegen Kanada (4. Mai). Alle WM-Spiele Österreichs von 9. bis 20. Mai sind live auf ORF 1 zu sehen.
Österreichs Frauen spielen ab 13. April bei der B-WM in Shenzhen. Ziel ist der Aufstieg, mit dabei sind auch die Nordamerika-Legionärinnen Anna Meixner und Theresa Schafzahl.
Source:: Kurier.at – Sport