Alarmierend: Fast jeder zweite Landwirt in Österreich hat psychische Beschwerden

Wirtschaft

Es gibt zahlreiche Berichte darüber, dass Berufstätige in der Land- und Forstwirtschaft unter enormem Druck stehen. Belastbare Zahlen dazu gibt es jedoch kaum. Das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft hat deshalb eine Studie in Auftrag gegeben, in der psychische und soziale Belastungen von Land- und Forstwirten und ihrer mithelfenden Angehörigen untersucht wurden. Mehr als 2.500 Personen wurden dazu befragt. Die Ergebnisse sind alarmierend.

Probleme von Landwirten wirken sich auf alle aus

46 Prozent der Befragten gaben an, im letzten Jahr von mindestens einer psychischen Erkrankung oder Beschwerde betroffen gewesen zu sein. Dieser Anteil ist fast doppelt so hoch wie in der österreichischen Gesamtbevölkerung (23 Prozent). Das sei ein „deutlicher, gemeinsamer Hilferuf einer gesamten Berufsgruppe“, meint Josef Moosbrugger, Präsident der Landwirtschaftskammer. „Und wer meint, das wäre nur ein Problem für die Bauernfamilien, dem sei gesagt: Es geht hier um eine unverzichtbare Berufsgruppe für Österreichs Versorgungssicherheit mit Lebensmitteln, erneuerbarer Energie und nachwachsenden Rohstoffen.“

Gearbeitet wird lange und oft unentgeltlich

Weniger als 5 Prozent gaben an, gering oder gar nicht belastet zu sein. Knapp zwei Drittel schätzen ihr Belastungsniveau als mittel ein, 34 Prozent empfinden es als hoch. Besonders stark belastet sind Personen, die alleine auf einem Hof leben, ihren Betrieb im Haupterwerb führen oder solche, bei denen die Hofübernahme ungeklärt ist. Im Schnitt arbeiten auf einem Hof 3,35 Personen. Bei der großen Mehrheit der Betriebe (80 Prozent) arbeiten familieneigene Arbeitskräfte mit – oft unentgeltlich. Die Arbeitszeiten sind lang. 40 Prozent arbeiten über 40 Wochenstunden. In der Hauptsaison sind es oft 60 Stunden und mehr.

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Externe Einflüsse bereiten die größten Sorgen

Bei den Themen, die Land- und Forstwirte am meisten belasten, liegen externe Einflüsse ganz vorne, etwa Preisentwicklungen bei Nahrungsmitteln oder Ernteschäden. Besonders bei Jüngeren drückt die Angst vor klimabedingten Ausfällen auf die Stimmung. Viele Obst- und Gemüseproduzenten müssen jedes Jahr vor Wetterextremen zittern. Im Ackerbau stehen Sorgen vor Preisentwicklungen für notwendige Rohstoffe wie Energie, Dünger und Saatgut im Vordergrund.

Bürokratie ist „nicht mehr zu bewältigen“

52 Prozent der Befragten empfindet die Bürokratie als sehr belastend, bei Unter-30-Jährigen sind es über 60 Prozent. „Dieses Ergebnis muss EU-Kommission und nationale Behörden gleichermaßen wachrütteln“, sagt Moosbrugger. „Für jede neue Regelung sollten mindestens zwei andere, sinnlose wegfallen. Gerade für unsere im internationalen Vergleich kleinen Familienbetriebe ist all das nicht mehr zu bewältigen.“ Als Beispiele nennt er EU-Entwaldungsverordnung, Industrieemissionsrichtlinie und Bodenüberwachungsgesetz.

Regularien und gesetzliche Vorschriften sorgen für viel Unsicherheit. „Dabei ist nicht nur die notwendige Arbeitszeit zu nennen, sondern vor allem auch die Sorge, durch unbeabsichtigte Fehler oder Fristversäumnisse finanzielle Sanktionen zu erhalten“, so Moosbrugger. Andere Aspekte, die als belastend empfunden werden, sind kurze oder gänzlich fehlende Urlaubs- und Erholungszeiten sowie die Notwendigkeit, ständig am Hof zu sein.

Nicht mehr am Pranger stehen

Auch das gesellschaftliche Ansehen ist ein Problem. Öffentliche Diskussionen und Anfeindungen schlagen vielen aufs Gemüt. „Was ich mir wünsche: Dass man uns nicht immer an den Pranger stellt, als Umweltverpester, Tierquäler“, heißt es etwa in einem Interview, das L&R Sozialforschung für die Studie führte.

Für Moosbrugger ist es wichtig, „dass der Nationalrat angesichts dieser Studie einen klaren Handlungsbedarf zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für Bäuerinnen …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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