AMS-Chef Kopf: Kärnten hat „ernstzunehmendes“ Problem

Wirtschaft

Die Zahl der Erwerbstätigen in Kärnten wird laut Prognosen stark zurückgehen. Das stellt ein ernstes Problem für den Arbeitsmarkt dar, so AMS-Chef Kopf. Zuwanderer könnten helfen.

AMS-Chef Johannes Kopf sieht für den Kärntner Arbeitsmarkt viele Herausforderungen. Dass laut Bevölkerungsprognose die Zahl der Erwerbstätigen bis 2050 um 17,5 Prozent zurückgehe, sei ein „ernstzunehmendes Problem, das man adressieren muss“. 

Schließlich stehe das südlichste Land beim Arbeitsmarkt in Konkurrenz zu den anderen Bundesländern. Kärnten müsse neue Wege gehen, etwa Flüchtlinge aus Wien aufnehmen und auch auf kleine Gemeinden verteilen, wie es Vorarlberg getan habe.

In Kärnten gebe es primär eine Zuwanderung durch Pensionisten, während österreichweit die Nettozuwanderung bei 20.000 Personen pro Jahr liege. 

Weniger Menschen arbeiten weniger Stunden

Insgesamt sei in Österreich in 20 Jahren die Bevölkerungszahl um eine Million gestiegen. Trotzdem würden – in Relation zum Bevölkerungswachstum – bundesweit weniger Menschen weniger Stunden arbeiten. Dies habe aber auch mathematische Gründe: Frauen, die früher gar nicht gearbeitet haben, würden nun Teilzeit arbeiten und damit den Stundenschnitt der Beschäftigten senken. Trotzdem seien unterm Strich auch die Vollbeschäftigungsstunden rückläufig.

„Im Vergleich wie unser Land wächst, wächst die Arbeitszeit eindeutig zu wenig“, so Kopf am Mittwoch im Klub der Wirtschaftspublizisten in Wien. Wobei es ganze Branchen gebe, wo nur geringe Möglichkeiten zur Vollzeit bestünden. Die schrittweise Anhebung des Pensionsalters der Frauen habe im ersten Jahr zu 14.000 mehr Personen am Arbeitsmarkt geführt, wobei 85 Prozent der weiblichen Beschäftigten in ihren Betrieben verblieben seien. Durch die Pensionsangleichung an die Männer würden jedes Jahr zwischen 12.000 und 14.000 Frauen zusätzlich auf den Arbeitsmarkt kommen.

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Kopf wiederholte heute seine Forderung nach dem Ausbau der Kinderbetreuungsangebote. „Das ist zach und kostet Geld“, so der AMS-Chef. Die Erfahrung zeige aber, dass ein verlässliches Angebot auch Nachfrage nach Kinderbetreuung erzeuge. Bei der Finanzierung wäre eine soziale Staffelung anzudenken, eine Gratis-Betreuung sei bei der angespannten Budgetsituation wohl nicht realisierbar, meinte Kopf.

Integration von Ukrainerinnen hat schlecht geklappt

Beim Thema Zuzug plädierte der AMS-Chef einmal mehr eindringlich, Personen mit einer hohen Bleibewahrscheinlichkeit intensiv zu betreuen. Aus den bisherigen Erfahrungen mit nach Österreich geflüchteten Ukrainerinnen lasse sich sagen, dass die Integration am Arbeitsmarkt „schlecht geklappt hat“. Die starke Zuwanderung bei gleichzeitig schwacher Wirtschaft habe Österreich aber bei der Arbeitslosenstatistik im EU-Vergleich zurückfallen lassen. „In Wien ist jeder vierte Arbeitslose ein Geflüchteter“, rechnete Kopf vor.

Erhebliche Luft nach oben sieht Kopf bei der Beschäftigung von Personen über 50 Jahren. Das Argument, dass diese automatisch für die Firmen deutlich teurer wären als junge Beschäftigte, stimme nicht. Eine Studie des AMS habe gezeigt, dass die Vorbehalte in der Wirtschaft gegen die Beschäftigung Älterer nach wie vor vorhanden seien – und die Skepsis größer sei als bei der Anstellung von Langzeitarbeitslosen.

Lob für Reformen bei Altersteilzeit und Bildungskarenz

Trotzdem sei es zu begrüßen, dass die neue Regierung Änderungen bei der Altersteilzeit plane. Derzeit am häufigsten genutzt werde das Modell, dass nur noch die Hälfte gearbeitet werde, aber drei Viertel des Lohnes und die volle Pensionsversicherung anfielen. Dies sei genauso attraktiv wie teuer. „Würde wer sagen, wir müssen aus Budgetgründen die Altersteilzeit streichen, würde ich mich dagegen nicht wehren, ich würde …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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