
Herr Werner ist 57 Jahre alt, arbeitete 25 Jahre bei einem Werkzeughersteller, wo er zuletzt als Einkaufsleiter tätig war. Vor zwei Jahren verlor er seinen Arbeitsplatz, seither sucht er einen neuen Job. „Pro Monat schreibe ich 60 bis 80 Bewerbungen, bekomme aber entweder gar keine Reaktionen oder nur standardisierte Absagen“, schildert er seine Lage. „Ich möchte arbeiten, aber trotzdem interessiert sich niemand für mich“, fügt er hinzu. Er fühle sich wie ein Werkzeug, das funktioniert, aber in der Ecke liegen gelassen werde.
Altersarbeitslosigkeit massiv angestiegen
Fälle wie diese haben in den vergangenen Jahren aufgrund der Demografie stark zugenommen. So stieg die Arbeitslosigkeit bei den über 55-Jährigen laut AMS-Daten seit 2008 von 23.000 auf rund 70.000 im Vorjahr. Zugleich stieg aber auch die Beschäftigung von 261.000 auf gut 700.000 Menschen.
„Die Anzahl der Menschen zwischen 55 bis 64 Jahren wird demografisch bedingt immer größer, während zugleich immer weniger Junge nachkommen“, sagte AMS-Chefin Petra Draxl bei der Vorstellung der Aktion 55plus am Freitag. „Es muss uns gelingen, diese Menschen in Beschäftigung zu halten oder zu bringen.“
Die zu Jahresbeginn gestartete Förderaktion soll heuer 3.000 bis 4.000 vollversicherte Arbeitsplätze für Personen über 55 Jahren schaffen. Dabei fließen 40 Prozent des Geldes als Eingliederungsbeihilfe an Betriebe, 58 Prozent wird für geförderte, befristete Arbeitsplätze bei sozialökonomischen Betrieben (SÖB) bereitgestellt und 2 Prozent wird für verstärkte Beratungsleistungen verwendet.
50 Millionen Euro Budget
Das Budget dafür beträgt 50 Millionen Euro pro Jahr, allerdings ist die Summe nur für das heurige Jahr gesichert und muss für 2027 noch verhandelt werden. Die Arbeiterkammer (AK) forderte die Regierung in einer Aussendung auf, die Finanzierung auch in den nächsten Jahren zu sichern.
Das Geld sei trotz Budgetknappheit „extrem gut investiert“, betonte Arbeitsministerin Korinna Schumann. „Die Aktion 55plus ist mehr als ein Arbeitsmarktprogramm, sondern leistet einen wertvollen Beitrag zur Reduktion der Altersarbeitslosigkeit. Der Weg in die Beschäftigung ist auch ein Weg aus der Armut“, so Schumann.
APA/HELMUT FOHRINGER
Arbeitsministerin Korinna Schumann
Sie verwies auch auf die von der ÖVP vorzeitig gestoppte „Aktion 20.000“, bei der 43 Prozent der Teilnehmer/innen nach zwei Jahren in einer regulären Beschäftigung waren.
Warum die Förderung diesmal nicht 100 Prozent der Lohnkosten, sondern nur zwei Drittel bis maximal 70 Prozent beträgt, beantwortete Draxl so: „Es ist wichtig, dass sich auch der Arbeitgeber beteiligt.“ Draxl und Schumann appellierten auch an die Betriebe, bestehende Vorurteile gegenüber älteren Arbeitslosen zu überdenken.
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



