
Zukunftsforscher Harry Gatterer zeichnet ein klares Bild der Arbeitswelt der Zukunft. Die Berufslaufbahn werde künftig aus zwölf bis 15 sogenannten Mikrotransitionen bestehen – und nicht aus zwei bis drei Jobwechseln im Leben. Auch das klassische Modell von Ausbildung, Karriereaufstieg und Pension sei Geschichte. Was kommt stattdessen auf uns zu?
KURIER: Es wird künftig mehr Jobwechsel geben – jedoch nur kleine, sogenannte Mikrotransitionen. Was genau kann man sich darunter vorstellen?
Harry Gatterer: Mit Mikrotransitionen meine ich keine großen Wechsel, sondern viele kleine, kontinuierliche Übergänge im Arbeitsleben. Das kann ein Rollenwechsel im selben Unternehmen sein, das Arbeiten an neuen Projekten, der Erwerb neuer Kompetenzen oder auch ein zeitlich begrenzter Wechsel in ein anderes Umfeld. Menschen wechseln heute seltener „alles“, sondern öfter „etwas“. Es geht weniger um den einen großen Karrieresprung, sondern um eine Abfolge lernbasierter Anpassungen – innerhalb wie außerhalb von Organisationen.
Wolf Steiner
Wie wirkt sich das auf Arbeitgeber aus?
Ganz einfach: Als Arbeitgeber der Zukunft werden Sie nicht darum herum kommen, Mikrotransitionen sogar zu ermöglichen. Zukunftsfähige Organisationen denken weniger in Stellenbeschreibungen und mehr in Kompetenzen, Lernpfaden und Einsatzmöglichkeiten. Das heißt konkret: interne Mobilität fördern, Lernzeiten ernst nehmen, projektbasiertes Arbeiten ermöglichen und Entwicklungsgespräche nicht nur an Positionen, sondern an Skills und Potenzialen ausrichten. Wer Menschen Bewegung erlaubt, bindet sie oft stärker als durch so ein altes Bild wie starre Karriereleitern.
Verlieren Uni-Abschlüsse an Relevanz?
Ein Studium ist weiterhin wertvoll, genauso wie eine Lehre. Entscheidend ist nicht der Weg, sondern die Anschlussfähigkeit danach.
Was genau bedeutet das?
Wissen veraltet sehr schnell. Die Kontexte, in denen wir arbeiten verändern sich permanent. Deshalb wird Lerngeschwindigkeit zur Schlüsselkompetenz: die Fähigkeit, Neues aufzunehmen, anzuwenden, zu reflektieren – und wieder zu verlernen. Ein Abschluss zeigt, was jemand gelernt hat. Lerngeschwindigkeit zeigt, wie gut jemand mit Veränderung umgehen kann. Unternehmen suchen daher zunehmend Menschen, die lernfähig, neugierig und adaptiv sind – nicht nur formal qualifiziert.
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



