„Erstaunlich resilient“: Welthandel trotz Spannungen auf Wachstumskurs

Wirtschaft

Der Welthandel bleibt laut dem „Global Trade Report 2026“ der Boston Consulting Group (BCG) trotz zunehmender Fragmentierung auf Wachstumskurs. Auch angesichts der geopolitischen Spannungen und Turbulenzen sei der Welthandel „erstaunlich resilient geblieben“, sagte der Co-Autor des Berichts, Nikolaus Lang, im Gespräch mit der APA. Das BCG-Modell erwartet bis 2034 im moderaten Szenario ein Wachstum des globalen Handels von rund 2,5 Prozent pro Jahr.

Welthandel nur wenig von US-Zöllen betroffen

Die Auswirkungen der US-Zölle relativierte Lang und verwies darauf, dass die USA nur einen Anteil von 16 Prozent am weltweiten Handelsvolumen von 23 Billionen Dollar (19,57 Billionen Euro) hätten. „Das heißt, dass 84 Prozent des Welthandels davon nicht betroffen sind.“ Die Robustheit erkläre sich auch dadurch, „dass viele Länder eigentlich nicht mit Gegenzöllen reagiert haben“.

Der Bericht modelliert für die nächsten zehn Jahre vier mögliche Entwicklungspfade und sieht aktuell besonders viel Momentum für ein moderates „Trade-Patchwork“-Szenario mit vier Knoten: USA, China sowie zwei Ländergruppen („Plurilateralists“ und „BRICS+ ohne China“). Global würde der Warenhandel dabei von rund 23 Billionen Dollar im Jahr 2024 auf knapp 30 Billionen Dollar bis 2034 steigen.

USA konzentrieren sich mehr auf Heimmarkt

„Was wir beobachten, ist, dass sich die USA immer mehr auf den Heimmarkt konzentrieren, wodurch ihr Anteil am Welthandel weiter zurückgehen wird und andere Handelsrouten sehr stark wachsen werden.“ Das seien „die Routen zwischen China und den anderen BRICS-Staaten, zwischen China und Russland, aber auch China und Indien.“

EU: Wachstum kommt stärker von außen

Für die EU rechnet BCG mit einer Verschiebung der Wachstumstreiber weg vom Binnenhandel: Der EU-Binnenhandel wächst laut Modell bis 2034 um rund 1,4 Prozent pro Jahr, der EU-Außenhandel um etwa 2,3 Prozent jährlich. Das externe Handelsvolumen der EU steigt von rund 5,3 Billionen Dollar (2024) auf etwa 6,7 Billionen Dollar (2034).

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Mit den USA und China wächst der EU-Handel laut Analyse jeweils nur um rund 1,5 Prozent jährlich, dynamischer sei der Handel mit „regelbasierten, handelsoffenen“ Volkswirtschaften. Zu möglichen Nebenwirkungen hoher Standards („Brüssel-Effekt“) sagte Lang: „Das ist eine Frage, mit der sich die EU in zunehmendem Maße auseinandersetzen muss.“

Denn: „Wir müssen uns dessen bewusst sein, dass das dazu führt, dass Handelspartner, zum Beispiel Südostasien oder Indien, sich sagen werden: Ich kann in die EU nicht exportieren, weil mich das zu viel kostet oder weil ich das einfach in meinem Unternehmensmodell nicht abgebildet kriege.“

Kosten, Inflation und neue Risiken

Als Inflations- und Kostentreiber nannte Lang neben Geopolitik und Industriepolitik etwa die Transformation: „Wir haben die Kosten für eine ökologische Produktion, wir haben die Kosten der Energiewende, wir haben die Kosten für die Verteidigung – das sind alles Kosten, die irgendjemand zahlen muss.“ Vielen Menschen sei nicht klar, „dass die Inflation, die nach Covid und der Ukraine so hochgeflammt ist, jetzt nicht einfach wieder zurückgeht.“

Und: „Wir bewegen uns von einem Paradigma des Freihandels und der Niedriginflationswelt zu einem Paradigma der geopolitischen und makroökonomischen Fragmentierung, die automatisch mehr Kosten generiert.“

Konflikte, neue Räume, Migration

Bei geopolitischen Risiken verwies er auch auf eine Reihe weniger beachteter Konflikte – „teilweise vor sich hin köchelnde, teilweise auch aktive“. Beispiele seien die jüngsten Ereignisse im Sudan, in Indien/Pakistan und zwischen Kambodscha …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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