Gaskraftwerke werden gebraucht, zahlen sich aber nicht mehr aus

Wirtschaft

Energieunternehmen hoffen auf ein neues Marktmodell, um den weiteren Betrieb von Gaskraftwerken finanzieren zu können.

Der vermehrte Umstieg auf erneuerbare Energie ist ökologisch und ökonomisch sinnvoll. Manchmal jedoch gibt es eine so genannte „Dunkelflaute“, wo Wasser-, Wind- und Solarkraft nicht ausreichen, um den Strombedarf zu decken. Im Winter ist das an vielen Tagen durchgehend der Fall. Gaskraftwerke springen hier meist ein. Sie können schnell gestartet werden und viel Leistung liefern, auch wenn dies ganz kurzfristig notwendig sein sollte.

31 Gaskraftwerke, aber Ablaufdatum rückt näher

In Österreich gibt es laut Branchenverband 31 Gaskraftwerke. Sie decken im Schnitt 15 Prozent des Strombedarfs, manchmal jedoch bis zu 40 Prozent. Dazu kommt freilich, dass Gaskraftwerke auch viel Fernwärme produzieren. Für das heimische Energiesystem sind sie integrale Bestandteile. „Du brauchst flexible Kraftwerke, die du auf Knopfdruck einschalten kannst“, sagt Wien Energie CEO Michael Strebl. Aber Gaskraftwerke haben ein Ablaufdatum. Diverse große Anlagen in Österreich, auch die größte, das Kraftwerk Simmering in Wien, werden Mitte der 2030er-Jahre ihr geplantes Lebensende erreichen.

„Jetzt könnte man sagen: Dann baut einfach neue Gaskraftwerke“, sagt Strebl. Das Problem dabei sei aber, dass sich das momentan nicht rentiere. „In ein Kraftwerk investiert niemand aus karitativen Zwecken“, sagt Verbund CFO Peter Kollmann. Wie Kraftwerkbetreiber zu Geld kommen, hänge vom Strommarktmodell ab.

Bezahlen für fix gelieferte Strommenge

In Österreich gibt es momentan einen so genannten „Energy Only“-Markt, bei dem nur tatsächlich erzeugte Energie vergütet wird. Gaskraftwerke verdienen dabei nur Geld, wenn sie eingeschaltet werden. Gemäß dem Merit-Order-Prinzip hängt es meist an ihnen, wie hoch der Preis an der Strombörse ist. Kraftwerksbetreiber verdienen an dem Preis jedoch kaum. Im Gegensatz zu Wind-, Wasser- und Solarkraftwerken sind die Betriebskosten bei Gaskraftwerken höher – man muss ja Gas als Brennstoff einkaufen.

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Bezahlen für reservierte Kapazität

Durch den konstanten Ausbau erneuerbarer Energien reduziert sich die Zeit, in der Gaskraftwerke benötigt werden. In Österreich erreichen sie relativ wenige Volllaststunden, müssen aber stets betriebsbereit gehalten werden. „Die Kraftwerke rechnen sich einfach nicht“, sagt Strebl. Die Energiebranche spricht vom „Missing Money Problem“. Als potenzielle Lösung wird der so genannte „Kapazitätsmarkt“ gesehen. Dabei werden Stromerzeugungskapazitäten verkauft, nicht die reale Stromerzeugung. Die Kapazität von Gaskraftwerken könnte damit bezahlt werden, auch wenn ihre Leistung am Ende gar nicht benötigt wird und sie in Bereitschaft verbleiben.

Rege Debatte unter gewissem Zeitdruck

Laut Verbund-CEO Michael Strugl gibt es in vielen Ländern die Überlegung, zu solch einem Kapazitätsmarkt zu wechseln, etwa in Deutschland. In Frankreich existiert ein Kapazitätsmarkt schon seit 2017. Betreiber von Gaskraftwerken sehen in dem Marktmodell eine Chance, um Gaskraftwerke zu revitalisieren und langfristig einsatzfähig zu halten. Kritiker sehen aber die Gefahr, dass dadurch wenig effiziente Technologien beibehalten werden. Man denke außerdem nicht an dezentrale Lösungen, etwa viele kleine Kraftwerke oder Stromspeicher statt weniger großer Gaskraftwerke.

Laut Strebl sei es wichtig, ein Strommarktmodell zu wählen, das nur in dezentem Ausmaß staatlich gesteuert sei. Wie genau ein geeigneter Kapazitätsmarkt aussehen könnte, darüber gebe es eine rege Debatte. Unterdessen steige aber der Zeitdruck: „Selbst an einem bestehenden Standort dauert es sieben bis acht Jahre, bis ein neues Gaskraftwerk errichtet …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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