Heizen und Warmwasser: Stärken und Schwächen der Fernwärme

Wirtschaft
Die Entwicklung der Fernwärme-Kosten in Wien in den vergangenen Jahren.

Heizen und Warmwasser brauchen viel Energie. Diese soll möglichst effizient genutzt werden und aus erneuerbaren Quellen kommen, also möglichst wenig Treibhausgasausstoß verursachen. Eine einzelne Technologie wird nicht sowohl bei der Energieeffizienz als auch bei der Ökologie voll punkten. Die Zukunft gehört daher gemischten Systemen, wobei die Voraussetzungen für Raumwärme und Warmwasser unterschiedlich sind. Für Warmwasserbereitung hat auch Strom einen Platz im Energiemix.

Bei Effizienz sind Gasetagenheizungen ebenbürtig

Für die Bereitstellung von Raumwärme setzen vor allem Städte stark auf Fernwärme. Allerdings sind Heizwerke, in denen Fernwärme erzeugt wird, nicht wesentlich effizienter als eine moderne Gasetagenheizung, sagt Lukas Kranzl, Energieexperte an der TU Wien, im Gespräch mit der APA. Allfällige Vorteile gehen durch den Energieverlust am Weg in die Wohnungen verloren.

Für Fernwärme und gegen die Einzellösungen spricht allerdings, dass es damit viel leichter ist, klimaneutral zu werden. Gerade in Ballungszentren sei es schwierig, jedes Haus individuell auf dekarbonisierte Wärmequellen umzustellen. Selbst wenn Fernwärme weniger effizient wäre, „müssten wir es machen, um klimaneutral zu werden“, ist Kranzl überzeugt.

Nutzung von Abwärme macht Fernwärme interessant

Georg Benke, Gesellschafter des Ingenieurbüros für Energie- und Umwelttechnik e7 sagt überhaupt: „Rein vom Energieeinsatz her ist die Gasetagenheizung effizienter als die Fernwärme beim Heizen“, weil die Verteilung wegfällt, sie nur zum Zeitpunkt des tatsächlichen Bedarfs Wärme erzeugt und Abstrahlungsverluste den Raum aufwärmen. Fernwärme werde aber dadurch interessant, dass dabei Wärme als „Abfallprodukt“ für die Heizung von Wohnungen genutzt werden kann.

apa

Die Entwicklung der Fernwärme-Kosten in Wien in den vergangenen Jahren.

  Dreivierteltakt lässt die Kassen klingeln

Das gilt bei der Müllverbrennung ebenso wie bei industrieller Abwärme aber auch bei der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK), also beim Betrieb von Kraftwerken, die sowohl Strom als auch Fernwärme erzeugen, heben Kranzl und Benke hervor. Knapp 60 Prozent der heimischen Fernwärme stammten zuletzt aus KWK-Anlagen.

Dichtes Netz steigert die Effizienz

Grundsätzlich gilt: Je größer und dichter die Fernwärmenetze werden, desto effizienter sind sie. In städtischen Netzen liege der Verlust wohl bei 5 bis 10 Prozent, bei ländlichen, vor allem im Sommer, könne der Wert schon bei 25 Prozent liegen, sagt Kranzl. Da lohne sich der Einsatz von Brennstoffen kaum mehr, daher gebe es inzwischen Biomasseheizwerke, die im Sommer Fernwärme über Solarenergie und Wärmepumpen aufbringen.

Abrechnung nach Quadratmeter ist problematisch

Eine andere Möglichkeit, den Energieeinsatz von zentralen Systemen zu verbessern, liegt laut Benke in der Regelungstechnik. In großen Gebäuden könne eine bessere Regelung der Zirkulation den Energieverbrauch um 15 bis 20 Prozent senken. Es fehle aber oft das Bewusstsein bei denen, die im Haus wohnen und deren Kosten sinken würden. Außerdem dämpfe die Abrechnung der Kosten pro Quadratmeter oftmals die Motivation der Endbenutzer, Energie zu sparen.

Das Gesetz sage aber, dass die verbrauchsabhängige Abrechnung wirtschaftlich sein müsse – also mehr Einsparung bringen müsse, als sie kostet. Und die Schwelle liege da bei etwa zehn Prozent Einsparung. „Was machen Sie, wenn das absolut zu wenig Einsparung bringt?“, fragt Benke.

Hohe Verluste bei zentraler Warmwasserherstellung

Während bei der Raumwärme die zentrale Herstellung und Verteilung dank Nutzung von ansonsten verpuffender Wärmequellen und dem Dekarbonisierungspotenzial Sinn macht, ist die Lage bei der zentralen Herstellung von Warmwasser anders. Dabei „gehen …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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