
„Die Menschen wollen, dass sie gut frisiert sind“, erklärt Klipp-Chef Gottfried Kraft. Auch in Krisenzeiten scheint die Branche erfolgreich zu sein.
Von Valentina Luger
Zahlreiche Sparten klagen über wirtschaftlich schwierige Zeiten, zahlungsmüde Kunden und herausfordernde Bedingungen. Anders ist es bei der Friseurkette Klipp, wo man sich als Marktführer über die Eitelkeit der Österreicherinnen und Österreicher und einen stabilen Kundenstamm freut. Gibt es auch bei kleineren Betrieben Grund zur Freude?
Gesamtbild der Branche
So einfach ist es nicht. Klipp als etablierter Friseur-Riese resümiert, man könne Kunden erfolgreich halten. Natürlich gäbe es Höhen und Tiefen bei den Zahlen, aber das sei schon immer so gewesen. Die Geschäftsdaten von Klipp sind jedoch nicht repräsentativ für die gesamte Branche. 98 Prozent aller Friseure haben laut Wirtschaftskammer keine bis maximal neun Mitarbeiter. Klipp gehört mit seinen rund 1.300 Mitarbeitern in 160 Salons zu den größten Friseurgeschäften Österreichs.
Bei den kleineren Friseurbetrieben sieht die wirtschaftliche Lage etwas anders aus: höhere Material- und Energiekosten, Personalmangel und gestiegene Mietpreise belasten das Geschäft. WKO-Bundesinnungsmeister Wolfgang Eder betont, dass besonders die hohen Lohnkosten kleinere Friseure belasten: „Das größte Problem sind die Löhne.“ Die Mehrausgaben im gleichen Maß an die Kunden weiterzugeben, funktioniere in Zeiten von Billigfriseuren nicht, heißt es.
Barbershops machen Friseuren Konkurrenz
Jeder dritte Friseur mit Angestellten ist laut Friseurinnung mittlerweile ein Barbershop – insgesamt 1.200 in ganz Österreich. Barbershops sind Herrenfriseure, die auch Gesichts- und Bartpflege anbieten. Die Betreiber werben mit Schnelligkeit und kleinen Preisen, denn ein Maschinenschnitt dauert oft nur 15 Minuten und kostet nicht selten lediglich zehn Euro. Klipp-Geschäftsführer Gottfried Kraft nimmt das mit Humor, denn „die Konkurrenz verhindert, dass ma Fett ansetzt“, wichtig sei aber, dass zu fairen Bedingungen gearbeitet werde. Billigfriseure sind zuletzt durch Ermittlungen der Finanzpolizei aufgefallen. Bei 34 untersuchten Betrieben wurden 29 Verstöße festgestellt.
Neue Dienstleistungspotenziale
Unsichere Zeiten erfordern Flexibilität. Der Großteil der Friseurbetriebe verdient ihr Geld durch vier Dienstleistungen: Färben, Schneiden, Styling und Pflege. Nun reagiert die Friseurbranche mit neuen Angeboten, wie der Kopfhaut- und Haaranalyse. Ziel dieses Angebots ist es, zu bestimmen, welche Haarpflege und Stylingprodukte für das eigene Haar ideal sind. Die Kopfhaut spiele dabei eine essenzielle Rolle.
Ewald Lanzl, Firmengründer von Klipp, vergleicht: „Eine gesunde Kopfhaut ist für schönes Haar so wichtig wie eine gute Erde für schöne Blumen.“ Bei der Kopfhautanalyse wird überprüft, ob sie schuppig, gerötet, sensibel oder unauffällig ist. Friseure empfehlen auf Basis von diesem Wissen geeignete Haarprodukte für den Kunden.
Männer häufiger im Salon als Frauen
Im Großen und Ganzen dürfe sich die Branche aber nicht beschweren. Eder stellt fest: „Als Branche kommen wir ganz gut durch.“ Vor allem im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen. Eine aktuelle Market-Studie zeigt, dass mehr als die Hälfte der österreichischen Bevölkerung mindestens einmal pro Quartal zum Friseur geht. Besonders oft lassen sich Männer die Haare machen: 70 Prozent gehen mindestens einmal im Vierteljahr zum Friseur und geben dabei durchschnittlich 35 Euro aus.
Weniger regelmäßig besuchen Frauen den Haarsalon, zahlen aber dabei mehr als doppelt so viel Geld. Das lässt sich durch die teureren Wünsche vieler Frauen erklären. Haare färben, verlängern oder aufwendig stylen kostet einfach mehr Geld, als nur das …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft