
Seine Lage an der Grenze zwischen der südamerikanischen und der karibischen Erdplatte, kombiniert mit vorteilhaften geologischen Voraussetzungen haben Venezuela einen gewaltigen Ölreichtum beschert. Indigene Völker nutzten die Rohölvorkommen schon vor Jahrhunderten und Jahrtausenden, für medizinische Zwecke, als Brennstoff oder als Dichtmaterial für Boote. Im 20. Jahrhundert begann man, das Öl in größerem Stile aus dem Boden zu holen – damit begann auch eine intensive Beziehung zu den USA mit Höhen und Tiefen.
US-Raffinerien auf Öl aus Venezuela ausgerichtet
Venezuela habe US-amerikanisches Öl gestohlen, lautet eine Rechtfertigung von Präsident Donald Trump für die militärische Intervention, bei der Staatschef Nicolas Maduro samt Frau entführt wurde. Die Nähe Venezuelas zur US-Südküste hat zu intensivem Import von Rohöl in die Vereinigten Staaten geführt. In Texas und Louisiana entstanden Raffinerien, die mit dem sehr zähflüssigen Rohöl aus Venezuela, das eine intensivere Verarbeitung erfordert, gut umgehen konnten.
Zuerst Verstaatlichung, später Verdrängung
1960 zählte Venezuela zu den Mitgründern der OPEC. 1976 wurde die venezolanische Ölindustrie verstaatlicht, wovon zahlreiche internationale Konzerne betroffen waren. Der Staatskonzern Petroleos de Venezuela S.A. (PDVSA) überführte zahlreiche Unternehmen mit ausländischer Beteiligung in Staatsbesitz, war aber marktwirtschaftlich orientiert und baute die Produktion in den folgenden Jahrzehnten stark aus. Die internationalen Beziehungen florierten. Mit dem sozialistisch regierenden Präsidenten Hugo Chavez wendete sich das Blatt. Während die Beteiligung von ausländischen Firman an venezolanischen Unternehmen erschwert wurde, machte Chavez PDVSA noch stärker zum staatlichen Instrument.
Misswirtschaft führte zum Niedergang
PDVSA wurde zunehmend von linientreuen Chavez-Günstlingen geführt und quasi ausgeblutet. Gewinne wurden abgezweigt, Investitionen wurden vernachlässigt, Fachkräfte verließen das Unternehmen reihenweise. Unter Nicolas Maduro wurde dieser Kurs fortgesetzt. Die Produktionskapazität schrumpfte immer weiter, ab 2019 kamen US-Sanktionen dazu.
Ölpreise steigen, aber nur leicht
Heute sorgt Venezuela nur für ein Prozent der weltweiten Ölproduktion, ungefähr 900.000 Barrel pro Tag. Aktuell ist das Land so wenig bedeutend, dass der Ölpreis trotz Venezuelas Staatskrise nur geringfügig angestiegen ist. „Wir gehen davon aus, dass die Ölpreise in den kommenden Tagen und Wochen weiter ansteigen könnten, da die venezolanische Ölproduktion aufgrund der politischen Unruhen im Land weiter zurückgehen könnte“, sagt Erste-Bank-Analyst Friedrich Mostböck. „Dies war bereits in Libyen der Fall, als Gaddafi 2011 gestürzt wurde.“
Venezuela hat die größten Ölvorräte
Donald Trump verspricht sich langfristig einen gigantischen Wirtschaftsaufschwung. US-Konzerne würden Milliarden Dollar in Venezuelas marode Ölinfrastruktur investieren und somit den USA und Venezuela neuen Wohlstand bescheren, glaubt der US-Präsident. Das Potenzial ist da. Venezuela sitzt auf einem Schatz von über 300 Milliarden Barrel, es ist das Land mit den größten Ölvorräten. Eine Schlüsselrolle soll Chevron einnehmen. Das US-Unternehmen hat Venezuela trotz aller Krisen nicht verlassen und darf heute dank Sondergenehmigung exklusiv Öl exportieren.
Unsicherheit ist derzeit noch groß
Den Schatz zu heben, wird aber schwierig. Experten schätzen, dass alleine für eine Steigerung der Fördermenge um 500.000 Barrel pro Tag Investitionen von 15 bis 20 Milliarden Dollar notwendig seien. Das verlangt Investoren einen langen Atem ab. Dazu kommt die Unsicherheit, wie es in Venezuela politisch weitergeht. Die aktuelle Verunsicherung lässt an den Börsen auch die Preise der „sicheren Häfen“ Gold und Silber steigen. Auch der Bitcoin-Wechselkurs stieg am Montag um über 1,7 …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



