Pfusch wird heuer Rekord erreichen

Wirtschaft

Die schwächelnde Wirtschaft, aber auch die Sparmaßnahmen der Regierung befeuern den Pfusch. Im EU-Vergleich sind die Österreicher aber Musterschüler

In Österreich feiert der Pfusch fröhliche Urständ’. Im Vorjahr ist die Schwarzarbeit um fast 15 Prozent auf 38,23 Milliarden Euro gestiegen. „Das ist einer der höchsten Zuwächse, seitdem ich den Pfusch untersuche“, sagt der Linzer Ökonom Friedrich Schneider zum KURIER. Heuer wird ein Anstieg um 6,5 Prozent auf 40,7 Milliarden Euro erwartet. Das wäre der höchste Wert seit 25 Jahren.

„Es gibt zwei wesentliche Ursachen, warum der Pfusch heuer zunimmt: Die Wirtschaft schwächelt immer weiter. Wir sind im dritten Rezessionsjahr. Immer, wenn es der offiziellen Wirtschaft schlecht geht, dann steigt die Schwarzarbeit“, sagt Schneider zum KURIER. Viele können in der offiziellen Wirtschaft trotz Überstunden und Zusatzjobs ihr Einkommen nicht verbessern, sondern gerade einmal halten.

Nicht in die Armut abzugleiten

„Sie haben in der offiziellen Wirtschaft keine Perspektive, rasch mehr Geld zu verdienen“, sagt Schneider. „Also werden sie vermehrt schwarzarbeiten. Außerdem steigt die Arbeitslosigkeit und die Teilzeitjobs blühen, weil man keine Vollzeitjobs findet. Aus diesem Grund arbeitet man verstärkt schwarz.“ Insbesondere in unteren Einkommensschichten werde vermehrt gepfuscht, um nicht in die Armut abzugleiten.

Dazu kommen die aktuellen Sparmaßnahmen der Regierung in Höhe von 6,39 Milliarden Euro, die dazu führen, dass Dinge teurer werden. 

Abschaffung der kalten Progression 

„Zum Beispiel sind Investitionen in Solaranlagen wieder mehrwertsteuerpflichtig. Außerdem fallen viele andere Subventionen und Förderungen weg“, sagt der Ökonom. Laut Schneider kompensieren die Bürger diese Einsparungen mit Pfusch. Im Vorjahr sei die Schwarzarbeit aber durch die Abschaffung der kalten Progression etwas abgebremst worden. 

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Der größte Verlierer der Schwarzarbeit sei der Staat, dem Steuern und vor allem Sozialversicherungsbeiträge in Höhe von bis zu 3,5 Milliarden Euro pro Jahr entgehen. Doch die Steuerverluste halten sich insofern in Grenzen, als das erpfuschte Einkommen in 85 Prozent der Fälle wieder im offiziellen Wirtschaftskreislauf ausgegeben wird.

Bau und Handwerk

Im EU-Vergleich ist Österreich immer noch ein Musterschüler. Wird die Schwarzarbeit heuer rund 8,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, sprich der gesamten Wertschöpfung ausmachen, so sind es im EU-Schnitt 18,11 Prozent. Spitzenreiter sind Bulgarien und Kroatien mit 34,44 bzw. 32,06 Prozent, gefolgt von Rumänien mit 30,25 Prozent, Malta mit 26,93 Prozent und Ungarn mit 25,13 Prozent.

Wo wird hierzulande am meisten gepfuscht?

Absoluter Spitzenreiter sind das Baugewerbe und das Handwerk inklusive Reparaturen mit einem Anteil von 39 Prozent. Mit großem Abstand (17 bzw. 16 Prozent) folgen die haushaltsnahen Dienstleistungen wie Friseur, Kinderbetreuung oder Nachhilfe, der Bereich Kfz und Maschinen sowie Hotellerie und Gastronomie.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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