
Der Kleiderhaufen war nicht zu übersehen. Knapp sechs Tonnen Altkleider türmten sich Ende November am Wiener Graben. Das entspreche in etwa der Menge, die die Volkshilfe in einer Woche in Wien sammle, sagt Claudia Bernatz, die bei der Hilfsorganisation in der Bundeshauptstadt für den Bereich Training, Arbeit und Vermittlung zuständig ist.
Lediglich zehn Prozent des Kleiderberges seien nicht mehr zu gebrauchen. Der Rest werde an die Einrichtungen der Volkshilfe verteilt oder in den Second-Hand-Läden der Hilfsorganisation verkauft. Das sei nicht nur ökologisch, sondern auch sozial nachhaltig, sagt Bernatz. Denn bei Hilfsorganisationen, wie der Volkshilfe, werden rund um das Sammeln, Sortieren und Verkaufen der Altkleidung mehr als 500 Menschen jährlich betreut und beschäftigt.
Gegen Fast Fashion
Gemeinsam mit der Caritas und der Umweltschutzorganisation Global 2000 machte die Volkshilfe mit dem Kleiderberg in der Wiener Innenstadt gegen die Fast-Fashion-Anbieter Shein und Temu mobil. Denn verglichen mit den 500 Tonnen Altkleidung, die täglich in Deponien und Verbrennungsanlagen in Österreich landen und zu dem die beiden Anbieter kräftig beitragen, ist der Kleiderberg am Wiener Graben allenfalls ein kleines Häufchen.
Grenzwerte überschritten
Laut einer Studie von Global 2000, die Produkte der chinesischen Billigmodeanbieter untersuchte, stellte bei 7 von 20 untersuchten Artikeln Überschreitungen von Grenzwerten fest. Wegwerfmode vermülle den Planeten und mache Menschen krank, sagt Global-2000-Sprecherin Anna Leitner.
Jeder wirft 30 Kleidungsstücke pro Jahr weg
Im Durchschnitt kaufe jede Österreicherin und jeder Österreicher rund 60 neue Kleidungsstücke pro Jahr und werfe 30 weg, sagt Oliver Türkoglu, der bei der Caritas in Wien für den Bereich Sachspenden und Logistik verantwortlich ist. Kleidung sei zum Wegwerfprodukt geworden.
Mit ihren Carla-Läden will die Hilfsorganisation ebenso wie die Volkshilfe dem Online-Kleiderkaufrausch eine entschleunigte Alternative entgegenstellen. Man wolle Second Hand in die Mitte der Gesellschaft bringen, sagt Türkoglu.
Anna Perazzolo
Carla-Shop am Stephansplatz in Wien
In der Mitte von Wien sind die Vintage-Shops bereits angekommen. Vor einem Jahr eröffnet die Caritas am Stephansplatz einen Carla-Shop. Der Laden, der neben Kleidung auch Geschirr und Bücher anbietet, ist nicht nur in der Vorweihnachtszeit gut besucht. Die Caritas betreibt u. a. auch Läden am Mittersteig und in Floridsdorf. Auch die Volkshilfe ist in der Bundeshauptstadt mit vier Second-Hand-Shops vertreten.
Woher kommt eigentlich der modrig-süße Duft, der in fast allen Secondhand-Läden zu riechen ist? Der geht vermutlich darauf zurück, dass die Kleider, bevor sie in die Läden kommen, lange Zeit gelagert werden, auch Mottenkugeln dürften dabei eine Rolle spielen, sagt Bernatz. Denn die Wintersachen werden in der Regel im Frühling oder im Sommer ausgemustert, Sommersachen im Herbst und Winter.
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



