Start-up-Millionär: „Sonst wandern noch mehr Firmen ab“

Wirtschaft
Martin Klässner

Vor vier Jahren hat Martin Klässner sein Unternehmen has.to.be um eine Rekordsumme verkauft. Der Gründer über Finanzierungslücken in Europa, Management-Strategien und Elektromobilität.

2021 hat der heute 41-jährige Martin Klässner sein im Salzburger Radstadt ansässiges Start-up has.to.be für 250 Mio. Dollar an das US-Unternehmen Chargepoint verkauft und damit den größten Exit der österreichischen Start-up-Geschichte hingelegt. Ein Jahr später verließ er das auf Software für E-Auto-Ladestationen spezialisierte Unternehmen, an dem auch VW beteiligt war, und begann in Start-ups zu investieren. 

Zuletzt gründete er wieder und berät mit seiner Firma Growthsquare Unternehmen bei der Strategieumsetzung. Klässner ist auch ehrenamtlich als Feuerwehrmann tätig. Wegen eines Einsatzes verzögerte sich der Beginn dieses Interviews etwas.

Nach dem Verkauf ihres Start-ups has.to.be haben Sie wieder  gegründet. Was macht ihre neue Firma Growthsquare?

Has.to.be war aus zwei Gründen erfolgreich. Wir haben, weil wir selber Anwender waren, immer nur das entwickelt, was wir selber wollten. Wir haben damit auch gut getroffen, was die Kunden brauchten. Wir haben unsere Mitarbeiter auch befähigt, eigenständig Entscheidungen zu treffen, um das Unternehmen weiterzuentwickeln. Daraus hat sich eine Arbeitsweise entwickelt, die sich gut replizieren lässt. Wir versuchen die Methodologie bei Unternehmen zu positionieren und bieten auch das entsprechende Monitoring über eine Software-Plattform an. 

Mit ihrer Investmentfirma make visions investieren Sie auch in Start-ups. Wie treffen Sie Ihre Investitionsentscheidungen?

Wir investieren nur, wenn wir vom Team und vom Produkt überzeugt sind und neben Kapital auch operativen Mehrwert einbringen können. Etwa bei der Organisation. Die Kernbereiche sind Energie, Robotics und Medtec. 

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Die Finanzierung gilt für Start-ups gilt in Österreich vor allem in Wachstumsphasen als schwierig. Woran haperts?

Es sind viele Themen. Grundsätzlich ist es in Europa auch ein Kulturthema. Man investiert sehr risikoscheu. In Österreich sind die Rahmenbedingungen für Investitionen grundsätzlich ausbaufähig. Es gibt auch noch nicht so viele kapitalstarke Fonds, die Folgefinazierungen vornehmen können.

Kurier / Franz Gruber

Martin Klässner

Die Regierung plant einen Dachfonds, der in der Szene schon lange gefordert wird. 

Das ist der richtige Weg. Es braucht zusätzliches Kapital. Wir sollten uns die Chance nicht entgehen lassen, sonst wandern noch mehr Unternehmen ab. 

Sie haben Ihr Start-up auch in die USA verkauft. 

Wir haben uns auch Alternativen zum Exit überlegt. Im DACH-Umfeld (Anm.: Deutschland, Österreich, Schweiz) hätten wir keine grundlegende Folgefinanzierung aufstellen können. Mir wäre eine regionale Lösung lieber gewesen. Aber die Angebote, die wir aus Europa bekommen haben, waren sehr weit weg von der Summe, die der Exit eingebracht hat. 

Wie kann Europa unabhängig von den USA werden? Bei einer Zukunftstechnologie, der künstlichen Intelligenz, hat es zuletzt Initiativen gegeben?

Wir sehen mit Blick auf die politische Entwicklung, dass es risikohaft ist, sich auf einen einzelnen Partner zu verlassen. Die Frage ist, ob es erforderlich ist, ein eigenes Modell aufzubauen oder ob es nicht attraktiver wäre, die in dem Umfeld einsetzende Standardisierung dafür zu nutzen, um in wesentlichen Nischenbereichen eine Vorreiterrolle einzunehmen. Das würde auch mehr im Einklang mit den möglichen Finanzmittel stehen. 

In welches Start-up haben Sie zuletzt investiert?

Vor zwei Wochen haben wir unser erstes Investment in ein Elektromobilitätsunternehmen vorgenommen. Es geht um die Elektrifizierung des Schwerverkehrs. Das wird eine wesentliche Entwicklung in den nächsten Jahren darstellen. 

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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