
Die Inflation hat sich im Dezember nur leicht abgeschwächt, bleibt aber weiter fast doppelt so hoch wie im Rest der Eurozone. Laut Schnellschätzung der Statistik Austria lagen die Verbraucherpreise um 3,8 Prozent über dem Vorjahr und damit erstmals seit Juli 2025 wieder unter vier Prozent.
Ausschlaggebend für den leichten Rückgang waren niedrigere Ölpreise. Strom blieb hingegen weiter teuer. Im Schnitt legten die Energiepreise um 9,0 Prozent zu, nach 10,9 Prozent im November. Dieser Preiseffekt durch das Auslaufen der Strompreisbremse Anfang 2025 wird sich erst in der Jänner-Statistik wieder relativieren.
Kräftigster Preistreiber war erneut der Dienstleistungsbereich, zu dem auch die Beherbergung und die Gastronomie zählen. Hier stiegen die Preise im Dezember um 4,4 Prozent erneut überdurchschnittlich. Aber auch bei Nahrungsmitteln, Tabak und Alkohol gab es im Dezember mit 4,1 Prozent einen überdurchschnittlichen Preiszuwachs, nach einem Plus von 3,6 Prozent im November. Die detaillierten Ergebnisse werden von der Statistik Austria erst am 19. Jänner veröffentlicht, doch die größten Preistreiber prägen schon zu Jahresbeginn die politische Debatte.
Tourismus-Inflation soll überprüft werden
So ließ Tourismusstaatssekretärin Elisabeth Zehetner mit der Ankündigung aufhorchen, die Inflationsberechnung bei der Beherbergung und Gastronomie überprüfen zu wollen. „Der Tourismus ist einer der wichtigsten Dienstleistungsexporte Österreichs und muss in der Preisstatistik auch als solcher behandelt werden“, sagte Zehetner bei der Vorstellung der Tourismusstrategie.
Gemeinsam mit der Statistik Austria soll geprüft werden, ob die derzeitige Abgrenzung und Gewichtung tourismusrelevanter Positionen in der Inflationsberechnung zeitgemäß und sachgerecht sei. Konkret geht es vor allem darum, ausländische Gäste, die in manchen Tourismusgebieten bis zu drei Viertel der Nächtigungen ausmachen, statistisch stärker zu berücksichtigen.
Statistik Austria sucht noch einen Termin
Bei der Statistik Austria kommentiert man den Vorstoß der Regierung sehr zurückhaltend, bekanntlich untersteht die Statistik-Behörde dem Bundeskanzleramt. Derzeit werde ein Termin zwischen dem Wirtschaftsministerium und Vertretern der Bundesländer koordiniert, heißt es auf KURIER-Anfrage. „Vertreter von Statistik Austria werden dabei die Grundlagen und Methoden der Inflationsberechnung erläutern, die nach international und wissenschaftlich anerkannten Standards erfolgt.“ Klingt eher nach einem Aufklärungsgespräch.
Gibt es überhaupt Spielraum?
Allzu viel Spielraum dürfte es für die Statistiker nicht geben. Die Standards zur Berechnung des harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) werden von der europäischen Statistikbehörde Eurostat vorgegeben und sind in allen Mitgliedsländern gleich. Dies ist auch nötig, bildet die Inflation in der Eurozone doch die Grundlage für die Preispolitik der Europäischen Zentralbank (EZB).
Der Warenkorb wird jedoch regelmäßig aktualisiert, um Konsumgewohnheiten realistisch abzubilden.
Inflation in der Eurozone bei zwei Prozent
Im Eurozonen-Vergleich weist Österreich derzeit die dritthöchste Inflation auf – nur knapp hinter Estland und der Slowakei mit 4,1 Prozent. Die gesamte Eurozone hat sich für Ökonomen etwas überraschend auf das EZB-Ziel von zwei Prozent eingependelt. Preisdämpfend waren vor allem die Energiepreise, während die Dienstleistungen um 3,4 Prozent mehr kosteten als vor Jahresfrist. „In den kommenden Monaten werde die Inflationsrate eher darunter als knapp darüber liegen“, kommentierte Chefvolkswirt Alexander Krüger von der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank die aktuellen Zahlen. „Es sieht somit weiter nach einer längeren Phase mit Preisstabilität aus.“
Auffällig: In den beiden größten Volkswirtschaften der Eurozone, Deutschland und Frankreich, lag die Inflation im Dezember deutlich unter jener der Eurozone. In Frankreich sank sie auf 0,7 Prozent, …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



