Voestalpine profitiert von EU- und Effizienz-Maßnahmen

Wirtschaft
Eibensteiner bei einer Pressekonferenz des BMAW.

Im vergangenen Jahr war in Österreich viel von der drohenden Deindustrialisierung die Rede. Sieht man sich den Aktienkurs des nach Umsatzzahlen drittgrößten heimischen Industriekonzerns, der Voestalpine, an, ist davon nicht viel zu merken. Denn der hat sich im abgelaufenen Börsenjahr mehr als verdoppelt. Zuletzt notierte die Voestalpine-Aktie bei mehr als 37 Euro, Anfang 2025 war sie gerade einmal knapp 18 Euro wert.

Das Marktumfeld war für die Voest im abgelaufenen Jahr nicht einfach und wird sich wohl so schnell nicht ändern. Zu einem schwierigen Automobilgeschäft gesellten sich US-Zölle und geopolitische Unsicherheiten. Allerdings profitiere der Stahlkonzern von EU-Maßnahmen, die 2026 in Kraft treten sollen, sagt Nicolas Kneip, Analyst bei der Wiener Privatbank. Dadurch gebe es Erwartungen, dass der Stahlpreis deutlich nach oben gehe und sich die Gewinne vergrößern werden.

Das ist einerseits das CO2-Grenzausgleichssystem CBAM, bei dem Importe emissionsintensiver Waren aus Drittstaaten, darunter Stahl, mit vergleichbaren CO2-Kosten belegt werden sollen wie entsprechende Produkte aus der EU. Auch die zollfreien Einfuhrmengen von Stahl sollen um knapp die Hälfte gesenkt und die Nichtquotenzollsätze von 25 auf 50 Prozent verdoppelt werden.

Effizienzmaßnahmen

Die Voestalpine hat in den vergangenen Jahren auch Effizienzmaßnahmen eingeleitet und Werke, etwa im deutschen Birkenfeld, geschlossen. „Man hat einiges sehr gut gemacht, um sich der schwierigen Marktlage zu stellen“, sagt Kneip. Als Reaktion auf die US-Zölle, die einen deutlichen Rückgang der Absatzmengen in den USA zur Folge hatten, kündigte Konzernchef Herbert Eibensteiner zuletzt den Abbau von 340 Jobs in den Werken in Kindberg und Mürzzuschlag an.

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Zugute kommt der Voest, dass sie sowohl geografisch als auch nach Sektoren breit aufgestellt ist. Der Aufbau von Kapazitäten in den Schlüsselmärkten helfe dabei, die hohen Lohn- und Energiekosten am Heimmarkt abzufedern, sagt Kneip. Dazu komme, dass die Voest stark auf hochwertige Spezialprodukte setzt. „Das ist weniger krisenanfällig. Man muss auch Preisrückgänge nicht zur Gänze mitmachen.“

FOTOKERSCHI.AT/KERSCHBAUMMAYR / FOTOKERSCHI.AT/KERSCHBAUMMAYR

Voestalpine-Chef Herbert Eibensteiner.

Die Bereiche Bahnindustrie, Luftfahrt, aber auch Hochregalsysteme entwickelten sich zuletzt gut. Für das Geschäftsjahr 2025/26 wird ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) in der Bandbreite von 1,40 bis 1,55 Mrd. Euro erwartet.

Große Wachstumsmöglichkeiten sieht Kneip im Bahnbereich, wo die Voest Weltmarktführer ist. Seine Stärke in dem Sektor demonstrierte der Konzern auch bei der vor kurzem eröffneten Koralmbahn. Die Voest werde auch von dem in Deutschland geplanten Infrastrukturprogramm profitieren, sagt Kneip. Umsatzstärkster Bereich bleibe mit rund 30 Prozent der Automotive-Sektor. Der war laut Konzernangaben zuletzt stabil. Auch da werden sich die durch EU-Maßnahmen steigenden Stahlpreise positiv auswirken, so der Analyst.

Dass der Kurs 2025 so stark gestiegen ist, liegt auch daran, dass er im Jahr davor steil nach unten ging. Mit den Kursgewinnen befindet sich die Voest durchaus im Einklang mit anderen europäischen Stahlkonzernen. Auch die Aktien der Schwergewichte Thyssenkrupp, Arcelor Mittal oder Salzgitter legten 2025 zwischen 80 und 150 Prozent zu.

Ausblick

Er sei eher skeptisch, dass es mit der Aktie weiter stark nach oben gehe, sagt Kneip. Die Auswirkungen der EU-Maßnahmen seien bereits weitgehend eingepreist. Mit einem Preis zwischen 35 und 40 Euro seien die Voestalpine-Papiere „fair bewertet“.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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