Warum Ex-OMV-Vorstand Thomas Gangl Liberty Steel wieder verlässt

Wirtschaft

Der ehemalige Borealis-Chef hat sich mit März als Europa-Chef vom Stahlkonzern verabschiedet.

 

In der Komfortzone war er nie, auch nicht im staatsnahen Umfeld. Thomas Gangl, einer der heimischen Top-Manager, ist Probleme gewohnt. Doch diese Herausforderung war selbst für den ehemaligen Vorstand der teilstaatlichen OMV und Chef der Kunststoff- und Chemietochter Borealis nicht lösbar.

Im März verabschiedete sich der Oberösterreicher, 54, wieder vom britischen Stahlkonzern Liberty Steel, dessen Europa-Chef er seit Juli 2024 war. Sanjeev Gupta, britischer Milliardär mit indischen Wurzeln, hatte Gangl engagiert, um die Werke am Kontinent mit 17.000 Mitarbeitern zu sanieren und bis 2030 auf eine emissionsfreie Produktion umzustellen. Gupta hatte angeschlagene Stahlwerke in Europa aufgekauft, die größten in Rumänien, Polen, Tschechien und Ungarn. Insgesamt hat der Konzern mehr als 30.000 Mitarbeiter. 

Die Europa-Zentrale sollte von Rumänien nach Wien übersiedelt werden, eine Gesellschaft dafür wurde gegründet. Die Sanierung gelang in Rumänien, das polnische Werk wurde wegen seiner Bedeutung für die Rüstungsindustrie im staatsnahen Bereich aufgefangen. Der Kapitalbedarf ist enorm. Das Hochfahren eines Stahlwerkes kostet einen dreistelligen Millionenbetrag. Ein Elektrolichtbogenofen für die grüne  Transformation kostet pro Standort 500 Millionen bis eine Milliarde Euro. 

Ungünstigster Zeitpunkt

Gangl hatte das ausgesprochene Pech, diese Herkulesaufgabe zum ungünstigsten Zeitpunkt zu übernehmen. 2024 war das bisher schlechteste Jahr in der Geschichte der europäischen Stahlindustrie. Die Branche befürchtet, dass die USA und China den Druck noch weiter verschärfen werden.

„Die für ein bis zwei Jahre erforderliche Finanzierung des Europageschäfts konnte aufgrund finanzieller Schwierigkeiten der Firmengruppe leider nicht wie geplant umgesetzt werden. Dadurch waren weder die Wieder-Inbetriebnahme der Werke in Europa noch die angestrebte Transformation möglich“, erklärt Gangl im Gespräch mit dem KURIER.

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Macher im Hintergrund 

Was nur Insider wissen: Gangl war hinter den Kulissen der Initiator und Architekt des größten Deals der österreichischen Wirtschaftsgeschichte, der vier Milliarden Euro schweren Mehrheitsübernahme der Borealis durch die OMV. Borealis wird derzeit nach mühsamen Verhandlungen in weiterer Folge mit der Tochter Borouge des OMV-Großaktionärs Adnoc (Abu Dhabi) zu einem der weltweit größten Kunststoff- und Chemiekonzerne fusioniert. 60 Milliarden Euro soll das Joint Venture wert sein.

Gangl hatte als OMV-Vorstand die strategische Idee und konnte den damaligen CEO Rainer Seele überzeugen. Der zurückhaltend auftretende Gangl ließ nach außen hin lieber Seele glänzen. Vom KURIER zu seiner OMV-Historie befragt, meint Gangl nur: „Ich bin stolz darauf, dass wir den Grundstein für den geplanten Merger gelegt haben. Ohne die mehrheitliche Übernahme von Borealis hätte die OMV nicht einmal am Verhandlungstisch gesessen“.

Zum heutigen OMV-Chef Alfred Stern kühlte sich das Klima bald ab. Gangl galt als Seele-Mann, was ihm nicht gut bekommen sollte. Inzwischen Borealis-Chef, fachlich zuständig und mit guten Kontakten zu den Abu Dhabis, wurde Gangl trotzdem nicht in die Fusionsverhandlungen mit Adnoc eingebunden. Die von Stern geholte Chemicals-Vorständin Daniela Vlad konnte nicht reüssieren. Sie wurde aus den Verhandlungen genommen und ist schon wieder weg.

Über seine Job-Pläne verrät Gangl nur, dass er bereits ein Aufsichtsratsmandat angenommen hat.

andrea.hodoschek@kurier.at

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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