
Seit fast sechs Jahren führt Johann Marchner die Geschäfte des Baustoffkonzerns Wienerberger in Österreich. Im KURIER-Gespräch skizziert er seine Wünsche an die Politik.
KURIER: Die Industrie steckt seit mittlerweile drei Jahren in der Rezession. Wie geht es Wienerberger?
Johann Marchner: Für die gesamte Bauwirtschaft ist es eine sehr große Herausforderung. Wenn ich jetzt einen Ausblick wagen darf, bin ich für 2026 verhalten optimistisch. Wir sehen, dass die Kredite in der Neuvergabe für Wohnraum gestiegen sind und ebenso die Baugenehmigungen. Es gibt auch Sanierungspakete, die greifen werden. Und nicht zuletzt auch der Bedarf nach Energieversorgung und sauberem Trinkwasser wird sicher auch die nächsten Wochen und Monate helfen.
Ein Teil dieses von Ihnen genannten Pakets ist ja auch die Mietrechtsreform. Glauben Sie, dass diese den gewünschten Effekt erzielen wird können?
Ganz im Gegenteil. Wir haben in Österreich eine große Säule, die heißt geförderter Wohnbau. Für Menschen, die leistbaren Wohnraum brauchen, ist das Thema abgedeckt. Somit braucht sich kein Österreicher Sorgen machen, dass er keinen leistbaren Wohnraum bekommen kann. Da ist über die Jahrzehnte Gutes entstanden, worauf Österreich stolz sein kann, aber auch im internationalen Vergleich immer als Beispiel herangezogen wird. Wir brauchen daneben die zweite Säule des privatfinanzierten oder frei finanzierten Wohnbaus. Eingriffe ins Mietrechtsgesetz oder Leerstandsabgabe sind nicht gut, um private Investoren einen attraktiven Anlegermarkt zu bieten.
Also kontraproduktiv.
Würde ich meinen, zumal wir einen internationalen Wettbewerb um Kapital haben und jeder auch größere Investor wird sich natürlich genau anschauen, wie rechtssicher und stabil seine Investition ist.
Ein großes Thema sind die Energiepreise. Jetzt benötigt die Produktion von Ziegeln ja nicht gerade wenig Energie. Wie geht Wienerberger damit um?
Wir sehen uns als nicht energieintensiv, weil wir ein Produkt erzeugen, das eine sehr lange Lebensdauer hat. Dennoch ist das Thema für uns ein ganz Wesentliches. Das heißt auch, die Marktreform, die man jetzt auch auf den Weg gebracht hat, ist ein absolut richtiger und wichtiger Schritt in eine Richtung, die wir am Standort Österreich brauchen. Das heißt, transparente, günstige und wettbewerbsfähige Energiekosten, aber auch Kosten, auf die man sich langfristig verlassen kann.
Jetzt kommt der Strombonus für energieintensive Unternehmen wieder. Fällt Wienerberger da auch darunter?
Leider nein. Und das ist auch ein wesentlicher Kritikpunkt. Ich glaube, man muss auch pragmatisch Dinge angehen. Wir wissen, die Ziegelindustrie ist ein klassischer Energieverbraucher im Bereich Gas. Wir haben aber hier weltweit erstmalig in einen Ziegelofen investiert, der ausschließlich mit erneuerbarem Strom betrieben wird. Das heißt, die althergebrachten Kategorien passen hier nicht mehr. Innovative Unternehmen müssten in Einzelverfahren berücksichtigt werden. Weil wir würden natürlich gerne weiter investieren. Nur wenn sich das am Ende kaufmännisch nicht gut darstellt, dann ist das leider Gottes wieder ein Potenzial, das wir nicht heben können.
Kurier/Wolfgang Wolak
Wienerberger Österreich Geschäftsführer Johann Marchner beim Gespräch mit dem KURIER.
In Deutschland ist ja die Förderung vergleichsweise weitaus höher und betrifft viel mehr Unternehmen. Würden Sie sich das für Österreich auch wünschen?
Es geht nicht darum, wer den besseren Standort in Europa hat. Sondern wenn wir als Industriestandort wettbewerbsfähig bleiben wollen, dann ist es das Gebot der Stunde, dass wir eine gemeinsame europäische Industriepolitik betreiben. Weil der …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



