
Das Sparpaket reicht nicht: Laut WIFO-Prognose wird Österreichs Budgetdefizit heuer 3,3 Prozent des BIP betragen. Die Rezession geht weiter, 2026 sei aber Besserung in Sicht.
Österreichs Wirtschaft wird auch heuer schrumpfen, die längste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg geht weiter. Das zeigt die neue Konjunkturprognose des WIFO für 2025. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sinkt demnach 2025 um 0,3 Prozent. Im Dezember hatte das WIFO der Wirtschaft noch zartes Wachstum bescheinigt.
Warum daraus nichts wird: Produktion und Exporte gehen zurück, während der Konsum leicht steigen sollte. Der „Rückgang der Industrieproduktion im Euro-Raum“ strahle weiterhin auf Österreich aus, heißt es.
Sparpaket reicht nicht
Wie wirken sich die schlechteren Wirtschaftsdaten auf das Budgetdefizit aus? Laut WIFO reicht das 6,4 Milliarden Euro schwere Sparpaket der Bundesregierung nicht aus, um das Defizit unter drei Prozent des BIP zu drücken.
Dieses werde trotz der Maßnahmen heuer voraussichtlich 3,3 und 2026 3,5 Prozent betragen. Die WIFO-Prognose ist damit aber signifikant besser als jene der Nationalbank (OeNB), die Österreich sogar ein Defizit von 3,8 Prozent bescheinigt.
EU-Defizitverfahren steht bevor
Was beide Prognosen zeigen: Österreich droht damit erstmals ein EU-Defizitverfahren. Ein solches läuft derzeit gegen acht andere EU-Staaten. „Kein Beinbruch“, befand bereits in der Vorwoche SPÖ-Finanzminister Markus Marterbauer, der tendenziell gegen weitere Sparmaßnahmen ist. Um ein Defizitverfahren abzuwenden, müsste Österreich wohl vier bis sechs weitere Milliarden einsparen.
Das WIFO hält bei der gesamtstaatlichen Budgetprognose übrigens die Bundesländer und Gemeinden für einen „bedeutenden Unsicherheitsfaktor“. Im Finanzausgleich von 2024 bis 2028 seien „zwar beträchtliche Mittelaufstockungen für Klimaschutz, Gesundheit, Pflege und Elementarbildung vereinbart. Es ist dennoch ungewiss, ob und inwieweit die subnationalen Gebietskörperschaften angesichts der dynamischen Kostenentwicklung in diesen Feldern ihre budgetären Zielvorgaben erreichen werden“, heißt es.
Erholung ab 2026
Zu den weiteren Rahmenbedingungen: Während die Inflation Anfang 2024 stark gesunken ist – auf 2,9 Prozent – ortet das WIFO heuer nur einen „langsamen“ Rückgang auf einen Jahresschnitt von 2,7 Prozent. Gründe seien das Auslaufen der Strompreisbremse, der Anstieg der Netzentgelte und der CO2-Bepreisung. 2026 soll die Inflationsrate 2,1 Prozent betragen.
Die gute Nachricht der Konjunkturprognose: Zur Jahreshälfte sei Besserung in Sicht. 2026 soll die Wirtschaft wieder um 1,2 Prozent wachsen. Dafür sehen die Forscher zwei Indikatoren: Deutschland wird 500 Milliarden in die Infrastruktur pumpen und schuldenbasiert Militärausgaben erhöhen. Das sollte auch Österreichs Wirtschaft stimulieren.
Zweitens: Eine Erholung der heimischen Bauwirtschaft sei absehbar. Die Wohnbauoffensive von Türkis-Grün, 2024 beschlossen, werde die Nachfrage heuer noch stützen und 2026 „ihre volle Wirkung entfalten“.
Auswirkungen der US-Zollpolitik
Warum unterscheidet sich die letzte Prognose so stark von der neuen? International sorgt lauft WIFO die aggressive und erratische Zollpolitik der USA für Unsicherheit – und das erschwere auch die Prognoseerstellung.
„Die Zollerhöhungen der USA und die entsprechenden Gegenmaßnahmen der Handelspartner fielen drastischer aus, als in der WIFO-Prognose vom Dezember 2024 unterstellt“, heißt es. Insbesondere seien die Zölle früher implementiert worden als angenommen.
Das hat Auswirkungen auf die gesamte Europäische Union. Die EU wächst heuer insgesamt nur um 1,3 Prozent, der Euro-Raum um 0,8 Prozent. Österreich liegt dennoch deutlich unter dem Durchschnitt, 2024 war man gemessen an der BIP-Entwicklung sogar das Schlusslicht in der EU. An einzelnen Branchen lasse sich die Schwäche der heimischen Industrie …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft