Lobbyistin für faire Mode: „Wir haben den Wert von Kleidung verloren“

Wirtschaft

Treffpunkt im hippen Wien-Neubau, wo Kaller (samt ihrem Mischlingsrüden Beppo) gerne unterwegs ist.

KURIER: Sie sind ein Fan von Upcycling. Was ist das?

Nunu Kaller: Aus alten Kleidungsstücken entsteht Neues.

Gerade haben Sie auch einen neuen Verein gegründet: „Uplift now“.

Ich arbeite schon sehr lange zum Thema faire und ökologische Modeproduktion, weil die Fast-Fashion-Branche die zweitschmutzigste Branche der Welt ist, was CO2-Ausstoß betrifft. Dabei gibt es wahnsinnig viele, auch lokale Alternativen. Darauf wollen wir mit unserem Verein den Scheinwerfer richten. Österreich hatte ja einst eine sehr gut funktionierende Textilbranche – in Oberösterreich steht die älteste Leinenweberei Europas.

Was soll Ihre Aktivität bringen?

Wir peilen eine Vernetzung der Produzenten an und wollen außerdem eine Konferenz zum Thema Textil veranstalten.

Und wie verdienen Sie selbst Geld damit?

Wir sind auf Sponsorensuche, was derzeit wirklich nicht einfach ist. Langfristig soll es auch eine stabile Finanzierung durch Mitglieder geben, aber das ist nicht das Anfangsziel. Schon in der Pandemie habe ich eine Plattform gegründet, damit nicht alle bei Amazon bestellen und keine Wertschöpfung mehr in Österreich bleibt. Ich habe damals eine Liste heimischer Unternehmen erstellt, die kontaktfrei verschicken konnten. Das ist durch die Decke gegangen. Im Nachhinein betrachtet war ich aber etwas sozialromantisch.

Wieso?

Weil mit Corona-Förderungen viel Schindluder betrieben wurde.

Sie haben zwei Mal Upcycling-Fashion-Shows auf der Vienna Fashion Week mit Caritas und Volkshilfe organisiert. Jetzt fehlen Ihnen aber Sponsoren dafür. Hat das mit der Wirtschaftskrise zu tun?

Ja. Ich bin seit sechs Jahren Freiberuflerin und merke ganz stark, dass momentan bei allen die Budgets sehr eng geworden sind.

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Verlieren ökologische Themen angesichts der Krise an Bedeutung?

Leider ja. Nachhaltigkeit rutscht weiter nach hinten. Das halte ich für eine komplette Fehlentscheidung. Hätten wir zum Beispiel mehr in erneuerbare Energien investiert, hätten wir jetzt weniger Probleme. Wir haben nur diesen einen Planeten! Der derzeitige Backlash bereitet mir wirklich Magenschmerzen.

Was wünschen Sie sich?

Mehr Protektionismus in der EU für die eigene Produktion. Am Beginn der Pandemie hatten wir ja nicht einmal eigene OP-Einweg-Gewänder, weil die halt irgendwo in China genäht wurden.

Bei Ihrem Part der Fashion-Week sind Sie sogar selbst über den Laufsteg gegangen.

Bei meiner Show gab es nur Amateur-Models jeder Altersgruppe, jeder Konfektionsgröße, jeder Hautfarbe. Ich bin 1,80 und war nie leise. Ich brauche mir also gar nicht einzubilden, nicht aufzufallen. Also mache ich das Beste daraus!

Kostete es Überwindung?

Man kann mich auf jede Bühne setzen, und ich höre erst zu reden auf, wenn man mich stoppt. Aber diese depperten 30 Meter Laufsteg haben mir Albträume beschert. Ich war so nervös! Aber der Moment war dann auch der Lohn von sehr viel Arbeit und sehr schön.

Sie waren auch gemeinsam mit Ihrer Mutter Plus-Size-Model für nachhaltige Mode. Warum?

Ich habe oft gehört, dass es keine faire Mode für große Größen gibt. Und es gibt wirklich wenig. Daher habe ich mich mit der Wiener Designerin Maria Fürnkranz-Fielhauer zusammengetan, um eine kleine Kollektion zu entwickeln.

Social Media ist Ihr PR-Werkzeug?

Ja, auf jeden Fall. Ich habe das Presse-Handwerk gelernt, und PR ohne Social Media geht gar nicht mehr. Ich bin hauptsächlich auf Instagram und Facebook zuhause. X habe ich gelöscht, was meiner Psyche sehr gutgetan hat.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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