„Dieses Land war, ist und wird immer in einer Transition sein“

Wirtschaft

Ein an der Kreuzung zwischen West- und Osteuropa liegende Land wirbt um ausländische Investoren. Viele österreichische Unternehmen haben Serbien für sich entdeckt, Vorreiter waren die Banken.

Miloš Mitić ist ein Mann, der nicht gerne um den heißen Brei herumredet. Deshalb fällt seine Antwort auf die Frage nach der größten Hürde für ausländische Investoren in Serbien klipp und klar aus: „Das Rechtssystem!“

Mitić ist seit 35 Jahren Vertrauensanwalt der österreichischen Botschaft in Belgrad und hat in dieser Zeit verschiedene Systeme erlebt. „Angefangen habe ich in einem Land, das Jugoslawien hieß und Österreichs Nachbarland war. Später waren es Serbien und Montenegro und schließlich Serbien“, schmunzelt der Anwalt. Die Unzulänglichkeiten des Rechtssystems ziehen sich wie ein roter Faden durch alle Systeme. „Das Rechtssystem war hier nie so weit entwickelt, dass es funktionieren könnte wie es sollte“, sagt Mitić und gibt gleich eine Entwarnung: „Ich will euch nicht schrecken: Das Rechtssystem funktioniert zwar, aber nicht so, wie man sich das in Westeuropa vorstellt.“

Marko Djokovic

Miloš Mitić ist seit 35 Jahren Vertrauensanwalt der österreichischen Botschaft in Belgrad.

Das größte Problem sei die Verfahrensdauer, die sich in manchen Fällen bis zu zehn, 15 Jahren ziehen könne. Mitić: „Das ist der fiese Teil der Geschichte.“ Schuld gibt er nicht nur dem ineffizienten Rechtssystem in seiner Heimat, sondern auch den Investoren: „Viele wollen sich anfangs nicht sagen lassen, was es vor dem Einstieg auf den hiesigen Markt zu beachten gilt.“ Manche würden sich kopfüber hineinstürzen. „Dabei hat mich meine Erfahrung gelehrt, dass die ausländischen Investoren in diesem Land rechtlich besser geschützt sind als die lokalen“, betont er und verweist damit auf das in den 1970ern zwischen dem damaligen Jugoslawien und Österreich abgeschlossenen Abkommen über die gegenseitige Förderung und den Schutz von Investitionen. Zu den Vorteilen gegenüber lokalen Investoren nennt er das Anrecht auf Schiedsverfahren und Tax Incentives, also Steuervergünstigungen.

  Deutschland erhält Flüssiggas aus den Emiraten

Dies dürften auch der Grund dafür sein, warum Österreich trotz aller Tiefen, die das Land in den vergangenen Jahrzehnten durchgemacht hat, wichtigster Handelspartner Serbiens geblieben ist. Mitić: „Ich kann mich an ganz wenige österreichische Investoren erinnern, die sich in dieser Zeit zurückgezogen haben.“ Doch, was macht Serbien für die österreichischen Investoren so attraktiv? „Diese Region war, ist und wird immer in einer Transition sein. Und das ist eine Chance für jeden Investor“, meint der Anwalt.

Ab den 2000er-Jahren

Die ersten österreichischen Investoren waren im Bereich Finanzdienstleistungen angesiedelt. Zu Beginn der 2000er-Jahre eröffneten die Raiffeisenbank und die Bank Austria ihre ersten Filialen in Belgrad. Es folgten Investoren aus diversen Bereichen, darunter viele kleine und mittelständische Unternehmen. Einer der Big Player ist hingegen die Firma Gebrüder Weiss, die 2004 ihre erste Niederlassung in Serbien eröffnet hat. Mittlerweile beschäftigt das älteste Transport- und Logistikunternehmen der Welt 270 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an drei Standorten in Serbien.

„Ich bin aber der einzige Österreicher hier“, gesteht Geschäftsführer Roland Raith lächelnd. Die geostrategische Lage sei einer der Hauptgründe, warum man sich für Serbien entschieden habe. „Serbien befindet sich an der Kreuzung zwischen dem Westen und dem Osten, was für einen Logistiker optimal ist.“

Marko Djokovic

Roland Raith, Geschäftsführer des Unternehmens Gebrüder Weiss in Serbien

Optimales Pflaster dürfte Serbien auch …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

(Visited 1 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.