
Kapitalmarktvertreter hoffen auf Reformen der neuen Regierung. Generell werden die geplanten Vorhaben aber als zu unkonkret kritisiert.
Eine neue Regierung kann auch für den Kapitalmarkt neue Möglichkeiten eröffnen. Grund genug für den KURIER, sich das Programm der Türkis-Rot-Pinken-Koalition dahingehend genauer anzusehen.
Die wesentlichen Punkte für (Klein)Anleger daraus lauten:
„Die Bundesregierung bekennt sich zu einer Stärkung des Kapitalmarkts mit dem Ziel der verbesserten Allokation von Kapital.“
„Wichtig ist, dass alle Menschen Zugang zu Finanzdienstleistungen und zum Kapitalmarkt haben. Eine faire Regulierung, transparente Regeln und eine starke, unabhängige Finanzaufsicht sind daher unverzichtbar.“
„Laufender Dialog mit der Wiener Börse zur Evaluierung von unnötigen Barrieren bei Börsengängen (besonders auch für KMU).“
„Evaluierung von Möglichkeiten zur Vorsorge für junge Menschen auch für Wertpapiere (z.B. ETF-Sparpläne).“
„Zeitnahe Umsetzung der Sozialpartnereinigung zur Stärkung der betrieblichen Altersvorsorge (Pensionskassen, Anm.)“
„Der jährliche Freibetrag für Zuwendungen zur privaten Vorsorge (Zukunftssicherung, Lebensversicherung) wird im Rahmen der budgetären Möglichkeiten angehoben.“ Der Freibetrag beträgt derzeit 300 Euro, die staatliche Förderung 4,25 bis 6,75 Prozent des jährlichen Einzahlungsbetrages.
So weit, so gut. Doch wie bewerten Branchenvertreter bzw. Stakeholder die Vorhaben der Regierung?
„Das Kapitel zur Stärkung des Kapitalmarktes ist sehr allgemein verfasst“, sagt Christoph Boschan, Chef der Wiener Börse. „Der geplante Ausbau der betrieblichen Altersvorsorge bzw. ein stärkerer Fokus auf die zweite und dritte Säule des Pensionssystems ist zu begrüßen. Es kommt nun darauf an, welche konkreten Maßnahmen folgen.“
Handschrift des Stillstands
Florian Beckermann, Vorstand des Interessenverbands für Anleger (IVA), ortet in den Vorhaben der schwarz-rot-pinken Regierung zum Kapitalmarkt eine „Handschrift des Stillstands“. Das Programm sei „unkonkret“ und „unambitioniert“, etwa fehlt ihm eine Abschaffung der Kapitalertragssteuer (KESt) auf Wertpapiere nach einer Behaltefrist. Damit werde eine Chance verpasst, den Markt für eine „breite Masse zugänglich zu machen“.
„Das Regierungsprogramm ist in Bezug auf den Kapitalmarkt noch etwas vage“, sagt Georg Knill, Präsident der Industriellenvereinigung (IV). „Hier gibt es noch Raum für Ausgestaltung, um den heimischen Kapitalmarkt und die Rahmenbedingungen, für diejenigen Menschen, die gerne vorsorgen wollen, zu stärken.“
Für Sebastian Firlinger, Chef der Kommunalkredit, setzt das Regierungsprogramm „richtige Impulse für nachhaltige Infrastruktur und die Energiewende. Aber: Öffentliche Gelder allein werden nicht reichen, um den enormen Finanzierungsbedarf in Energie und Infrastruktur zu decken. Es braucht eine klare Strategie zur Mobilisierung privaten Kapitals, sonst bleibt das Ziel unerreichbar.“
Klientelpolitik
Für Lukas Feiner, einer von zwei Geschäftsführern der Metis Invest GmbH, die Vermögensverwaltungstochter der Merkur Versicherung, bleibt abzuwarten, „ob Klientelpolitik und Sozialpartnerschaft, wie wir sie aus früheren Großen Koalitionen kennen, dieses Mal die Wirtschaft und die Kapitalmärkte in Österreich beflügeln können“. Mit Blick auf die neue Regierung herrsche an den Märkten überwiegend Gelassenheit. Kurioserweise legte der Wiener Leitindex ATX trotz Absenz einer handlungsfähigen Regierung seit den Wahlen im September um mehr als 18 Prozent zu. „Die Abwesenheit von politischen Störgeräuschen scheint die rezessionsgeplagte Wirtschaft nur wenig zu stören.“
Wertpapierbesitz in Österreich steigt weiter
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Source:: Kurier.at – Wirtschaft