Was steckt hinter dem Kampf gegen Windräder

Politik

Windkraftanlagen verursachen Krebs, bringen Verderben über die Landwirtschaft und sind für den massenhaften Tod von Walen verantwortlich: Im Kampf um Europas Energiezukunft werden Fakten zunehmend durch gezielte Desinformation mittels absurder Verschwörungstheorien ersetzt – mit fatalen wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Folgen.

Das ist das Ergebnis einer Analyse, die erstmals das sogenannte „Anti-Windkraft-Ökosystem“ in den sozialen Medien systematisch kartiert hat. Sie wurde bei der „WindEurope“, der jährlichen Messe der Windkraftindustrie, in Madrid präsentiert.

Die Studie untersuchte konkret, wie organisierte Anti-Windkraft-Gruppen, Aktivisten, extreme politische Akteure und teils vom Kreml unterstützte Netzwerke gezielt Falsch- und Desinformationen über Windkraft verbreiten. Der Hauptschauplatz für diese Kampagnen sind einmal mehr soziale Netzwerke, in denen Algorithmen gezielt Angst und Wut belohnen und Falschbehauptungen eine enorme Reichweite verleihen. Von den USA bis Europa agiert demnach ein eng vernetztes System aus Anti-Windkraft-Gruppen, rechten Politikern und anonymen Online-Aktivisten.

Sogar die NATO warnt mittlerweile ausdrücklich davor, dass der Kreml der treibende Akteur hinter den Social-Media-Kampagnen gegen grüne Energien ist.

Spätestens seit der Invasion der Ukraine instrumentalisiert Russland diese Desinformationsnetzwerke als geopolitische Waffe, um Europas Weg in die Energieunabhängigkeit zu sabotieren und dessen Abhängigkeit von russischen fossilen Brennstoffen aufrechtzuerhalten.

Eine Folge ist, dass so Milliardeninvestitionen blockiert werden, es zu massiven Projektverzögerungen und sogar Brandanschlägen sowie physischer Gewalt gegen Bauarbeiter gekommen ist.

Auch Vorgänge der jüngeren Vergangenheit in Österreich waren Teil der Analyse: In Kärnten etwa führte eine auf Fake News basierende Kampagne der FPÖ und lokaler Anti-Windkraft-Gruppen dazu, dass eine Volksbefragung mit einem Nein zum Windkraft-Ausbau ausging. Im Vorfeld waren erfundene Gerüchte über geplante Windräder in Nationalparks gestreut oder Panik mit einer angeblichen massiven Mikroplastikverschmutzung geschürt worden. Später wurde die Befragung allerdings vom Verfassungsgerichtshof als gesetzeswidrig aufgehoben.

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Dennoch bedeutete das Resultat ein faktisches Totalverbot für die Windkraft auf 99,93 Prozent der Kärntner Landesfläche und das Aus für 600 Millionen Euro an potenziellen Investitionen. Und das, obwohl der Kärntner Politik von der Energieagentur vorgerechnet wurde, dass deren Winterstromlücke bis zu 35 Prozent ausmacht – der Strom also zugekauft und importiert werden muss.

Die Studie führt auch das Beispiel Oberösterreich an, wo der stv. Landeshauptmann Manfred Haimbuchner (FPÖ) behauptet, die Industrie laufe niemals „mit Windrädern“ und diese seien unbedeutend – und das, obwohl Windkraft in Österreich längst mehr als 15 Prozent des Stroms liefert.

Ihm dient möglicherweise US-Präsident Donald Trump als Vorbild. Trump wettert gegen erneuerbare Energien – obwohl nur in China zuletzt mehr Windkraft-Anlagen gebaut wurde als in den USA.

Dazu kommt, dass Energieexperten wie Fatih Birol von der internationalen Energieagentur aufgrund des Irankriegs vor der „größten Energiekrise der Geschichte“ warnen, weil derzeit rund 20 Prozent des Ölbedarfs im Persischen Golf festsitzen. Birol plädiert für einen Fokus auf den Ausbau der Erneuerbaren und den Wechsel zu Wärmepumpen und E-Autos.

Die Windbranche auf der „WindEurope 2026“ verweist auf einen neuerlichen Ausbaurekord weltweit mit 165 Gigawatt – wobei fast zwei Drittel aus China kommen. Der Energie-Thinktank „Ember“ verweist darauf, dass 2026 Windkraft und Photovoltaik die Atomkraft überholt haben, und erneuerbare Energien 2025 weltweit erstmals seit 1919 auch die Kohlekraft bei der Stromerzeugung überholen konnten.

Doch was hilft gegen die kursierenden Fake News zum Thema? Nicht nur Aufklärung, so die Studienautoren, sondern …read more

Source:: Kurier.at – Politik

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