Vorletzter „Tatort“: „Bibi und Moritz sind wie zwei Hälften eines Gehirns“

Kultur

Auf Skepsis stoßen Harald Krassnitzer und Adele Neuhauser am Sonntag (20.15 Uhr, ORF 2) in ihrem vorletzten „Tatort“. In „Gegen die Zeit“ ermitteln sie in einer Sozial-WG mit Jugendlichen aus schwierigen Verhältnissen. Regisseurin Katharina Mückstein, die mit Hermann Schmid das Drehbuch schrieb, bleibt nah an den Figuren und konzentriert sich kammerspielartig auf die Verhältnisse vor Ort. Regiekniff: In den Rückblenden sind Eisner und Fellner physisch mittendrin.

KURIER: Was assoziieren Sie mit dem Titel „Gegen die Zeit“? Sehr hektisch ist der Fall ja nicht.

Katharina Mückstein: Einerseits ging es um ein Ermitteln gegen die Zeit, vor allem in Bezug auf den abgängigen Jungen, der möglichst schnell gefunden werden muss, weil er für sich oder für andere gefährlich sein könnte. Auf der anderen Seite geht es um das Leben der Jugendlichen in diesem System der Jugendhilfe, das total begrenzt ist. Sie müssen sehr schnell erwachsen und selbstständig werden, weil sie mit Volljährigkeit aus dem Fürsorgesystem rausfliegen. Ich sehe es auch ein bisschen als Miss-Marple-Krimi: Alle waren an einem Ort. Bibi und Moritz müssen eine Kartografie der Zeit erstellen, um den Fall zu lösen. Sie springen auch in den Zeitebenen und gehen durch das Zuhören in das Erlebte der Menschen hinein und überwinden die Grenzen der Zeit.

Die Ermittler bemühen sich, die Erkundigungen nicht so hektisch ablaufen zu lassen, um mehr auf die Jugendlichen einzugehen.

Der Werkzeugkoffer von Bibi und Moritz muss genau das beinhalten. Mit ihren zwischenmenschlichen Skills versuchen sie, das Vertrauen der Jugendlichen zumindest so weit zu bekommen, dass sie mit ihnen reden, und dass die Sozialarbeiter ihnen überhaupt erlauben, mit den Jugendlichen zu sprechen. Obwohl sie natürlich den Druck haben, einen Mordfall zu klären, müssen sie die Ruhe  bewahren und mit viel Fingerspitzengefühl an die Sache herangehen.

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Moritz und Bibi sind hier total auf den Fall konzentriert. Diese Nebengeplänkel, die es manchmal gibt, sind hier komplett außen vor. War das von Anfang das Konzept? 
Da gibt es nur zwei Lager: Jene, die es lieben, wenn das Private der PolizistInnen mit dem Fall zu tun hat oder das Private mit erzählt wird. Und dann gibt es jene, die alles auf den Fall zentriert sehen wollen. Bei meinem ersten Tatort „Dein Verlust“  hat sich alles aus dem Privaten gespeist. Da ging es um den 60. Geburtstag vom Eisner, er selbst wurde zum Tatverdächtigen. Ich wollte im Kontrast dazu jetzt einen Film schreiben, der sich sehr stark anhand der Psychologie der handelnden Figuren des Falls entwickelt. Ich wollte Bibi und Moritz als extrem aufmerksame Zuhörer erzählen, denen keine Unstimmigkeit entgeht. Das ist die Herausforderung bei diesem Fall, einerseits ein empathisches Zuhören zu praktizieren und gleichzeitig eine kritische Distanz dazu einzunehmen – um die Fehler in der Erzählung zu finden. 

Inwieweit haben Sie sich beim Schreiben bzw. Recherchieren auf diese Welt eingelassen? 
Ich habe mit Leuten gesprochen, die in genau solchen Einrichtungen arbeiten. Gleichzeitig komme ich aus einer Familie, in der der Sozialbereich immer sehr präsent war. Auch aus dem Freundeskreis kenne ich die Arbeitsbedingungen in einer Struktur, die chronisch unterfinanziert ist und wo es an allen Ecken und Enden an Ressourcen mangelt. …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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