Eine vegane Wurstsemmel für „Kommissar Rex“

Kultur

Sehr geehrtes Kulturamt!

Ich gehe davon aus, dass Sie mitbekommen haben, dass im ORF gerade eine Neuauflage von „Kommissar Rex“ ausgestrahlt wird. Ich habe mir die ersten beiden Folgen angeschaut und mich gefragt, ob das tatsächlich das Niveau ist, das man heutzutage von internationalen Serien erwarten darf. Vielleicht habe ich aber einfach nur zu hohe Ansprüche, mag schon sein. Ich beantrage jedenfalls bei Ihnen eine Auszeichnung der besonderen Art für dieses Remake, ähnlich der Goldenen Himbeere in Hollywood: die vegane Wurstsemmel. In etwa so mundet der neue „Rex“.

Mit kläffenden Grüßen, T. M.

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Sehr geehrter T. M,

vielen Dank für Ihr Schreiben, Ihre Einschätzung des neuen „Kommissar Rex“ und Ihren Antrag, dessen Einlangen wir hiermit bestätigen (Geschäftszahl 15/2026), den einer Ablehnung zuzuführen wir uns jedoch gezwungen sehen. Nicht etwa deshalb, weil wir Ihre Kritik am Wiederbelebungsversuch dieses Klassikers nicht teilen, sondern weil wir eine vegane Wurstsemmel nicht als Negativ-Preis empfinden. Ein Schäferhund würde die Nase rümpfen angesichts des Wurstersatzes und ein echtes Leckerli einfordern, für Menschen halten wir die fleischlose Küche allerdings für zeitgemäßer als die Machart des neuen „Rex“.

Unsere Kritik daran beginnt bei den Storys, die nicht nur an den Hundehaaren herbeigezogen sind, sondern viel zu wenig Spannung entwickeln – wir sind nämlich der altmodischen Ansicht, dass es bei jeder Krimi-Form zumindest um einen gewissen Thrill, wie man neumodisch sagt, gehen sollte. Wir finden weiters die Machart, die Kameraführung, den Schnitt, die Erzählweise nicht besonders kontemporär, wenn wir uns im Vergleich dazu internationales Serienschaffen vor Augen führen. Wir vermissen Humor und ein gewisses, durchaus selbstironisches Augenzwinkern im Umgang mit diesem Stück österreichischer Fernsehgeschichte. Die Besetzung ist nicht überzeugend – Maximilian Brückner sei als Ausnahme erwähnt (und auch für Alfred Dorfer als Pathologen haben wir Sympathie). Dass zwei Männer ermitteln und eine Frau nur daneben stehen darf, wirkt auch überholt. Apropos Brückner: Eine so teure Immobilie in den Weinbergen ist für einen Kriminalbeamten pekuniär wohl unrealistisch. Die könnte sich nicht einmal der Polizeidirektor von Wien leisten. Außerdem kommt sogar der Hund als Darsteller viel zu kurz.

  Mit Enthusiasmus und viel Herz im Wartesaal der Möglichkeiten

Eines muss man der Reihe punkto Zeitgemäßheit  jedoch lassen: Die Qualität zwischen „Rex“ 1994 und 2026 verhält sich direkt proportional zur Tiefe der Bildschirme von einst und heute

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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