AMS-Chefin Draxl: „Auch Menschen über 60 sind Arbeitskräfte“

Politik

Für die Pension zu jung, für den Job zu alt: Während die Politik wieder einmal über eine Anhebung des Pensionsantrittsalters debattiert, steigt die Altersarbeitslosigkeit in Österreich überdurchschnittlich stark an. Vor allem bei den Frauen. Laut AMS-Zahlen waren Ende März 7.500 Frauen über 60 beim AMS vorgemerkt, um 6.000 mehr als vor vier Jahren. Grund ist die seit 2024 laufende, stufenweise Angleichung des Pensionsantrittsalters der Frauen an jenes der Männer (65).

Ein gewisser Anstieg der Arbeitslosigkeit bei den über 60-Jährigen müsse durch die Anhebung in Kauf genommen werden, relativiert AMS-Chefin Petra Draxl im Gespräch mit dem KURIER, schließlich steige auch die Beschäftigung in dieser Gruppe. Fakt ist: Jene, die einen Job haben, bleiben länger (weil sie es müssen). Wer jedoch seinen Job verliert, findet schwer wieder eine neue Stelle. Das AMS wird somit für viele zur Zwischenstation, bis ein Pensionsbezug möglich ist.

Immer mehr wechseln vom AMS in die Pension

Schon 28 Prozent der Frauen und 27 Prozent der Männer wechseln nicht vom Job, sondern vom AMS in die Pension. Tendenz stark steigend. Das verursacht dem Staat jährliche Kosten von bis zu 6 Mrd. Euro, errechnete der Seniorenbund.

Arbeitslosigkeit sei höchst individuell, erläutert Draxl. Es hänge von der persönlichen Lebensplanung ab, wie sich jemand bei der Jobsuche verhalte. „Wer bald in Pension gehen möchte, wird sich anders verhalten als jemand, der lange im Erwerbsleben bleiben will.“

Aber selbst für Top-Motivierte und -Qualifizierte ist die Rückkehr in den Arbeitsmarkt steinig. Bei ganz spezifischen Qualifikationen werde nicht so sehr auf das Alter geschaut, weiß Draxl. Die AMS-Chefin, selbst 65, ist derzeit bei Betriebsbesuchen in Sachen Bewusstseinsbildung unterwegs. „Ich sage den Betrieben, auch Menschen über 60 sind Arbeitskräfte.

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Die jungen, die sie gerne hätten, gibt es gar nicht mehr.“ In einigen Regionen fehle das Bewusstsein, dass die Erwerbsbevölkerung schrumpft. Es herrsche das Vorurteil vor, Ältere hätten Einschränkungen. Das treffe aber nur auf ein Drittel der Jobsuchenden zu und viele seien durchaus auch im Alter noch lernfähig.

Anreize für Betriebe: Weitere 100 Millionen in Aussicht

Die Regierung setzt auf Lohnsubvention und stellt dafür weitere 100 Mio. Euro in Aussicht. Heuer hat das AMS 50 Mio. Euro für die „Aktion 55plus“ zur Verfügung. Dabei erhalten Betriebe, die Ältere neu einstellen, Lohnzuschüsse von bis zu 70 Prozent. 6.000 Jobs sollen so geschaffen werden. Auch diverse Eingliederungsbeihilfen sowie Überbrückungsjobs in sozialökonomischen Betrieben sollen die Arbeitslosigkeit verringern.

 Gewerkschaft, AK und Seniorenvertreter halten die Maßnahmen für nicht ausreichend und fordern ein Bonus-Malus-System, bei dem Betriebe, die ältere Mitarbeiter abbauen, höhere Sozialbeiträge zahlen sollen. Eine Mehrheit in der Regierung zeichnet sich dafür nicht ab.

Draxl ist dennoch zuversichtlich und verweist auf Dänemark. Dort herrsche nicht zuletzt durch die frühere Anhebung des Pensionsalters eine andere Wahrnehmung von Älteren am Arbeitsmarkt. „Jobs für 60-Jährige sind ganz normal.“ Österreich habe hier einen Nachholbedarf, „aber in fünf Jahren wird sich auch bei uns was getan haben.“

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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