Börsianer: „In Asien fängt eine coole Party an“

Wirtschaft

Leopold Quell managt den Raiffeisen Asia Opportunities ESG Aktienfonds. Im Podcast „Ziemlich Gut Veranlagt“ von KURIER und kronehit spricht er über Chancen in der Region bei Technologiewerten.

KURIER: Wem gehört beim Thema künstliche Intelligenz die Zukunft – USA oder Asien? Oder doch Europa?

Leopold Quell: Ich bin grundsätzlich jemand, der das Glas halb voll sieht. Ich verstehe aber, dass man Europa leicht abschreiben kann. Wir sehen die Probleme. Aber immerhin sind die Probleme bekannt. Also vielleicht überraschen wir ja noch. Und was die US-Techkonzerne betrifft: Sie geben hunderte Milliarden Dollar im Wettkampf um die beste KI aus. Ich glaube, sie sind sich nicht so im Klaren darüber, ob sie dieses Geld jemals zurückverdienen werden. Das könnte die Chance für innovative Europäer werden.

Wie zum Beispiel Peter Steinberger aus Österreich.

Ja, eine bemerkenswerte Persönlichkeit, dessen KI innerhalb kürzester Zeit eingeschlagen hat.

Wer sind denn die Champions in der KI-Branche?

Man sollte nicht dort hinschauen, wo gefühlt alle hinschauen. Die US-Techunternehmen haben in den letzten Jahren unglaublich tolle Innovationen und unglaubliche Margen und Gewinne hervorgebracht, Hut ab. Deswegen sind sie wohl zurecht in allen globalen Indizes riesig fett gewichtet. Wir glauben aber nicht, dass sie das nochmal in dieser Form in den nächsten 10 Jahren hinkriegen.

Also wer dann?

Unternehmen, die auf Speicherchips für KI spezialisiert sind. Neben Micron aus den USA sind das SK Hynix und Samsung Electronics aus Südkorea. Dann gibt es noch Rechenzentren und für diese benötigt man viel Kühlung. Asia Vital Components etwa stellt Kühlsysteme auf Wasserbasis her. Da gibt es nur zwei, drei Konkurrenten weltweit.

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Wie sind die Bewertungen in Asien vergleichen mit den USA im Techsektor?

Seit 15 Jahren sind asiatische Aktien wesentlich billiger. Man könnte aber auch sagen, aus gutem Grund. Und nur weil etwas billig ist, heißt es nicht, dass das automatisch stark steigt. Ich sage also nicht, kauft sie, weil sie billiger sind, sondern aus Asien kann bei einem Bärenmarkt weniger Luft entweichen, weil einfach weniger Luft drinnen ist.

Wie sehen Sie die Kriegsgefahr rund um Taiwan?

Viele Taiwanesen haben verwandtschaftliche und geschäftliche Beziehungen zu China, Unternehmen haben Fabriken oder Geschäfte am Festland. Das heißt nicht, dass es keinen Krieg geben kann. Aber mich hält es nicht ab, dort zu investieren.

Und was ist mit Chinas Nationalismus?

Die Sorge davor ist berechtigt. Und sie wird stärker, sollte Chinas wirtschaftliche Entwicklung bergab gehen. China spürt noch immer die Folgen der Immobilienkrise und die Jugendarbeitslosigkeit, gerade bei Akademikern, ist relativ hoch. Aber die breite Masse spürt noch immer Rückenwind. Es herrscht keine Rezession.

Welchen Fonds managen Sie konkret?

Den Raiffeisen Asia Opportunities ESG Aktien. Er hat eine starke Nachhaltigkeitskomponente, die in den letzten Jahren durchaus Gegenwind erfahren hat. Wir können keine Rüstungs- oder Öltitel kaufen, also Titel, die gut gelaufen sind. Aber wir nehmen das sportlich und nicht als Grund zum Jammern. Wir haben das überkompensieren können aufgrund des guten Stockpicking in Sachen Technologie.

Wie hat der Fonds in den vergangenen Jahren abgeschnitten?

Er hat die Benchmark outperformed. Das ist für uns das Wichtigste. Auf längere Zeit betrachtet, hatte er keine Chance gegen die US-Techfonds. Aber in den letzten Jahren kommt Schwung rein. …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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