
Als größtes Kundenbindungsprogramm Österreichs dominiert der Jö Bonus Club den heimischen Handel. Nutzer können mittels Karte oder App Bonuspunkte („Ös) sammeln und Gutscheine einlösen. Ein Riesengeschäft für Jö: 30 Millionen Euro beträgt der jährliche Umsatz des Unternehmens. Das Geld verdient die Tochterfirma des Rewe-Konzerns durch Gebühren, die die 17 Partnerunternehmen bezahlen. Auch für Werbemaßnahmen wie Gutscheine oder Newsletter bezahlen die Partner.
Für die teilnehmenden Unternehmen (neben den Rewe-Ketten etwa auch OMV, Forstinger, Libro oder Pagro) zahlt sich die Partnerschaft finanziell aus. Denn Jö-Kartenbesitzer würden nicht nur häufiger, sondern auch meistens mehr einkaufen als andere Kunden. Bei Billa Plus laufen mittlerweile rund 70 Prozent des Umsatzes über Käufe mit Kundenkarte.
Datenschutzbedenken lösten in der Vergangenheit Kritik aus
In der Vergangenheit gab es am Jö Bonus Club mehrfach Kritik von Konsumenten- und Datenschützern. Die Datenschutzbehörde verhängte im Jahr 2022 wegen Verstößen eine Strafe in Höhe von acht Millionen Euro gegen das Unternehmen. Der Jö Bonus Club wurde schon zuvor 2021 zu einer Strafe von zwei Millionen Euro verdonnert. Seither werden weniger Daten gespeichert. Zur Anmeldung reicht mittlerweile die Angabe einer eMail-Adresse und des Geburtsdatums aus. Personenbezogenen Daten würden das Unternehmen außerdem nicht verlassen, betont Jö-Co-Geschäftsführer Nikolai Scheurecker im Gespräch mit dem KURIER.
Auch Jö selbst würde sie nur nutzen, „um Nutzern das beste Erlebnis bieten zu können“, so Scheurecker. „Ich bin überzeugt, dass unser Unternehmen in Österreich Datenschutz wirklich lebt, weil wir extrem strenge Regeln für uns selbst anwenden.“ Alle größeren Änderungen würde das Unternehmen vorab von einem internen Rechtsberater und im Nachgang von einer externen Kanzlei prüfen lassen.
Besonders hart kritisiert wurde in der Vergangenheit das Profiling, also das Auswerten personenbezogener Daten, um das Konsumverhalten zu ermitteln und gezielt Werbemaßnahmen zu setzen. Nutzer können diesem Profiling bei der Anmeldung oder in der App zustimmen. Tun sie das nicht, erhalten sie keine Gutscheine, die gezielt auf ihre Einkaufsinteressen abgestimmt sind. Rund die Hälfte der Mitglieder lässt Jö das eigene Kaufverhalten durch Profiling beobachten und analysieren.
Partnerunternehmen erhalten von Jö aggregierte Datenanalysen
Für Scheurecker gehe es dabei nicht um ein „Tauschgeschäft Daten gegen Rabatte, sondern um den Mehrwert für die Kunden“, wie er sagt. Auch ohne die Zustimmung zum Profiling würden die Kunden dieselbe Menge an Rabatten erhalten – nur seien diese eben nicht personalisiert. Genutzt werden Daten bei Jö etwa um sie in Form aggregierter Datenanalysen an die Partnerunternehmen weiterzugeben. So kann das Kaufverhalten der Kunden in einzelnen Filialen untersucht werden. Anhand der Daten wird festgestellt, für welche Kundengruppen welche Angebote relevant sind, um das Sortiment entsprechend anzupassen.
Seit 2025 gehört auch die Raiffeisen Landesbank Niederösterreich-Wien zum Jö Bonus Club. Diese würde keine Daten vom Kundenprogramm erhalten: „Wir haben die Partnerschaft bewusst datensparsam aufgesetzt. Die Bank übermittelt uns lediglich die Information, wie viele Ös gutgeschrieben werden. Es geht für uns dabei nur darum, die richtigen Ös an die richtigen Kunden auszuspielen“, sagt Scheurecker. Hinsichtlich neuer Partnerunternehmen zeigt man sich bei Jö grundsätzlich offen, Exklusivität gebe es schon allein aus rechtlichen Gründen keine. Man setze auf strategische Partnerschaften und eine langfristige Zusammenarbeit.
Auch hinsichtlich der Nutzung durch Konsumenten hat das Unternehmen ambitionierte …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



