Warum eine Wiener Firma Ökostrom aus Osteuropa an US-Tech-Riesen verkauft

Wirtschaft

In den vergangenen sieben Jahren ist der Mitarbeiterstand von Enery von zwei auf 260 Personen gewachsen. Das in Wien ansässige Unternehmen entwickelt in mittlerweile zehn Ländern Solar- und Windkraftwerke sowie Batteriespeicher. Der Fokus liegt auf Osteuropa. Mit dem produzierten Ökostrom macht Enery aber weit über den Kontinent hinaus Geschäfte.

Im Osten kann man größer dimensionieren

In welchen Ländern das Unternehmen neue Kraftwerksprojekte plant, entscheide sich durch zwei wichtige Kriterien, sagt CEO Richard König. „Wir investieren in Ländern, die ein relativ stabiles regulatorisches Umfeld und eine harte Währung haben.“ In Osteuropa hänge die Stromversorgung noch in höherem Maße von Kohle, Öl oder Gas ab. „Die Energiewende ist dort viel notwendiger.“ Außerdem sei es im Osten einfacher, Projekte größer zu dimensionieren.

Vor allem Hybridprojekte, bei denen Photovoltaik, Windkraft und Batterien gemeinsam errichtet werden, seien laut König einfacher realisierbar. Bei einem Projekt in Rumänien würde etwa eine 750-Megawatt starke PV-Anlage mit einem Batteriespeicher mit 1 Gigawattstunde Kapazität kombiniert. „Die Gestehungskosten pro Megawattstunde liegen dadurch bei 35 Euro. Der Großhandelspreis liegt aktuell bei rund 100 Euro.“ Man könne also sehr günstigen Strom produzieren.

Günstiger Strom hilft der europäischen Industrie

„Das ist notwendig, damit die europäische Industrie wettbewerbsfähig ist. Wir müssen kompetitiven Strom produzieren, mit großen Windparks in Skandinavien, mit riesigen Solarparks im Süden und mit Hybridkraftwerken. Da bietet Osteuropa sehr gute Verhältnisse, mit viel Wind, viel Sonne, viel verfügbarem Land und den Netzanschlüssen, um solche Megaprojekte umzusetzen.“

Kleinteiligkeit erschwert Projekte in Österreich

Auch bei der Bürokratie gebe es große Unterschiede, so König: „In Estland kann man einen Netzanschluss online buchen und 14 Tage danach bezahlen. In Österreich bekommt man monate- bis jahrelang keine Antwort.“ Nationale einheitliche Genehmigungsprozesse seien ein riesiger Vorteil. „In Österreich haben wir neun Bundesländer mit komplett unterschiedlichen Zugängen, Unterschiede zwischen Gemeinden und 113 Netzbetreiber. Das ist einfach eine Kleinteiligkeit und Komplexität, die wir in anderen Ländern nicht vorfinden.“

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Was Korruption anbelangt, sieht König „keinen Unterschied zwischen Österreich und beispielsweise Bulgarien“. Enery verfolge einen „amerikanischen Compliance-Zugang mit null Toleranz“. Wittert man Korruption, werden Projekte nicht weiterverfolgt.

Zur Kundschaft zählen auch Hyperscaler

Finanziert werden neue Kraftwerksprojekte über Banken oder Projektanleihen. Der produzierte Ökostrom wird meist über langfristige Lieferverträge, so genannte Power Purchase Agreements (PPAs) an Gewerbekunden verkauft. Sie bringen stabile Einnahmen. Zu den Kunden zählen etwa große Industrieunternehmen wie Lenzing, Konsumgüterkonzerne wie Bierproduzent Asahi oder Telekomunternehmen wie Orange.

Auch große US-Technologiekonzerne, so genannte Hyperscaler, zählen zur Kundschaft. Sie fänden in den USA oder China, wo Rechenzentren aufgrund der günstigen Strompreise betrieben werden, nicht genügend Ökostrom vor. Um Emissionsreduktionsziele zu erreichen, werden deshalb so genannte financial PPAs mit europäischen Produzenten abgeschlossen. Damit fördert man den Ausbau erneuerbarer Energien und erhält stabile Preise sowie Ökostromzertifikate (RECS).

Hoffnung auf massiven Batteriespeicherausbau

Für ein PV-Großprojekt in Bulgarien hat Enery ein Joint-Venture mit OMV gegründet. Der heimische Mineralölkonzern ist 50-Prozent-Partner bei einem 415-Megawatt-Solarkraftwerk mit 600-MWh-Batteriespeicher.

Auf Batteriespeicher setzt Enery im Allgemeinen große Hoffnungen. „Es ist ein volkswirtschaftlicher Verlust, wenn man günstigen Solarstrom abregeln muss“, sagt König. Er plädiert für einen massiven Speicherausbau, um die Gesamtkosten des Stromsystems zu senken und Netze zu stabilisieren. Die heimischen Ausbauziele sieht er als zu niedrig …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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