Enttäuscht von den USA: Der Golf sucht neue Partner

Politik

Bahrain, Kuwait, Katar und sogar der Oman – jenes Land auf der anderen Seite der Straße von Hormus, mit dem Teheran versucht, ein Abkommen über eine gemeinsame Kontrolle über die Meerenge zu erzielen – sie alle wurden bei der neuerlichen Eskalation von iranischen Raketen getroffen.

Seit Beginn des Krieges Ende Februar befinden sich die Golfstaaten im Kreuzfeuer der Angriffe, forderten von Washington eine Deeskalation – vergeblich. Ihre enge sicherheitspolitische Partnerschaft mit den USA, die US-Militärstützpunkte auf ihrem Territorium und die historische, ideologische Ablehnung des Mullah-Regimes machten sie zu den bevorzugten Zielen Teherans. Verglichen mit den Opferzahlen in anderen Ländern – die höchsten wurden im Libanon (mehr als 4.320 Menschen) und im Iran (mehr als 3.470 Menschen) verzeichnet – blieben jene der Golfstaaten zwar begrenzt.

Bis zum 10. Juni wurden mindestens 28 Menschen getötet, der Großteil davon Arbeitsmigranten aus Pakistan, Nepal, Bangladesch, Indien, Ägypten und den Palästinensergebieten. Viel mehr litten die Golfstaaten unter den Angriffen auf ihre Energieanlagen, Flughäfen und Entsalzungsanlagen, jener Infrastruktur, auf der ihr Wohlstand beruht.

Wirtschaftliche Schäden

Die herrschende Auffassung, die US-Militärbasen in der Region würden Angriffe des Iran abhalten, entpuppte sich als irreführend. Die Präsenz des US-Militärs in der Region habe nach den viereinhalb Monaten Krieg „das Gegenteil einer abschreckenden Wirkung“, zitiert der katarische Nachrichtensender Al Jazeera die US-Wissenschafterin Annelle Sheline vom US-Thinktank Quincy Institute for Responsible Statecraft: Die US-Streitkräfte würden als „unzuverlässig“ wahrgenommen.

Besonders hart traf die Region die Sperre der Straße von Hormus. Während die weltweit hohen Ölpreise privaten US-Unternehmen unerwartete Gewinne bescherten, mussten der Irak, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Kuwait und Katar Produktion und Exporte deutlich drosseln. Das geht aus einer Analyse der New York Times hervor.

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Allein Saudi-Arabien kam vergleichsweise glimpflich davon: Das Königreich hatte bereits vor Jahren Milliarden in Pipelines investiert, die den Persischen Golf umgehen und das Öl ans Rote Meer transportieren. Saudi-Arabiens Exporte sind während des Krieges im Vergleich zum Vorjahr um über 150 Millionen Barrel gesunken, die Einnahmen stiegen wegen der gestiegenen Preise trotzdem um schätzungsweise 9,2 Milliarden US-Dollar.

Der Krieg erschütterte das wichtigste Versprechen der Golfstaaten: Stabilität. Dubai, Doha und Abu Dhabi vermarkten sich bisher als sichere Drehscheiben für Kapital, der Tourismus verzeichnete enorme Einbrüche: Allein in den ersten Kriegstagen summierten sich die Einbußen auf rund zwölf Milliarden US-Dollar.

Das Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran schwächte das Vertrauen der Golfstaaten zusätzlich: In diesem fand sich keine Beschränkung für das iranische Raketen- oder Drohnenarsenal – aus Sicht der arabischen Nachbarn die unmittelbarste Bedrohung ihrer Sicherheit.

Diversifizierung der Sicherheitspolitik

Das Unbehagen der Golfstaaten gegenüber den USA ist nicht neu, vor allem nicht, seit US-Präsident Donald Trump im Vorjahr in seiner Nationalen Sicherheitsstrategie festhielt, dass Washington den Nahen Osten nicht länger als geopolitische Priorität ansieht. Seit einigen Jahren schon versuchen die Golfstaaten, ihre sicherheits- und verteidigungspolitischen Beziehungen breiter aufzustellen. Vor Kriegsbeginn unterzeichneten die Saudis einen Verteidigungspakt mit der Atommacht Pakistan. Vermehrt kaufen die Golfstaaten Verteidigungssysteme von Russland und China; mit dem NATO-Land Türkei prüft man die Möglichkeit eines gemeinsamen, ballistischen Raketenabwehrsystems.

Dabei agieren die Golfstaaten keineswegs geschlossen, zu unterschiedlich sind die eigenen Interessen. Allen voran halten die VAE an …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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