„Hin & weg“: Komödiantische Verfolgungsjagd über den Herrensee

Kultur

Litschau im Waldviertel hat ein massives Problem – namens Vermis Auri Erderholii. Denn dieser Wurm, der sich in die Gehörgänge schleicht, kann sich nur entfalten, wenn die akustische Umgebung, sprich: die Dialektfärbung, passt. Und die ist eben nahe der tschechischen Grenze ideal. Durch die Hitzewelle wurden diese Bedingungen verstärkt – und so gibt es einen akuten Wurmbefall.

Der Ohrwurm kann leider epileptische Anfälle, Insomnie, Ironie, Fantasie und Halluzinationen auslösen. Weshalb die Polizei das Tragen eines Gehörschutzes verordnet hat. Man brauchte sich daher am Wochenende nicht zu wundern, wenn man eine Hundertschaft mit Kopfhörern durch Litschau spazieren sah. 

Wundersames ereignete sich dennoch: Das KollekTief, quasi das Hausensemble des Theaterfestivals „Hin & weg“ seit der Gründung vor neun Jahren, brachte „Kunstraub“ zu Uraufführung. Und diese fulminante Neuinterpretation der Commedia dell’Arte ist weit mehr als nur ein Audio-Walk: ein Spektakel mit Stunts und unglaublich viel Witz.

Man muss bloß akzeptieren, dass just in Litschau ein enorm bedeutendes Werk von Hilma Mondrialewitsch mit dem Titel „Heimgang“ versteigert werden soll. Der Besitzer, ein schmieriger US-Kunsthändler (Elena Hückel), holt es mit seinem verfressenen Arlecchino-Assistenten (Laura Euler-Rolle) vom Bahnhof ab, um das lipizzanergroße Paket zum Herrensee zu tragen, wo die Auktion stattfinden soll. Doch schon beim nahe gelegenen Busbahnhof (mit Toilette) überkommt die beiden ein dringendes Bedürfnis. 

Dort fällt das Bild einem Max-und-Moritz-Pärchen in die Hände: Sebi (Anton Widauer) glaubt Viola (Rita Landgrebe) nach einigem Zögern, dass dieses Bild einst der Großmutter gehört hatte, die vor den Nazis fliehen musste. So kommt es zu einer atemberaubenden Verfolgungsjagd quer über den See mit Tret- und Elektroboot, garniert u. a. mit Nachrichten des lokalen Radiosenders. Blöd nur, dass Viola an den Folgen des Wurmbefalls erkrankt ist und die Geschichte mit der Großmutter (zum Teil) erfunden hat.

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Das Bild wird schließlich von Intendant Zeno Stanek in der Veranstaltungshalle Moment auktioniert, der „Mister Magister“ aus den USA reibt sich freudig die Hände. Ein Happy End aber gibt es nicht. Denn das Bild ist tatsächlich Raubkunst …

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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