Migranten in Ceuta: Gestrandet am Rande Europas

Politik

Von der Playa Benítez in Ceuta sieht Europa fast zum Greifen nah aus. 20 Kilometer trennen das spanische Festland von der Exklave in Nordafrika. Am Horizont sind die Berge Andalusiens zu erkennen, der Felsen von Gibraltar ragt in die Höhe. Eine Fähre legt in Richtung Algeciras ab.

Abdullah, der seit rund zwei Wochen in Ceuta ist, wacht morgens mit Europa im Blick auf. 5.000 Kilometer hat er zurückgelegt, um vor dem Krieg aus dem Sudan zu fliehen. Ein Jahr lang schlug er sich in Marokko durch. Dann hörte er, dass die Grenze zu Spanien offen sei. Ende Juli ist er am Wellenbrecher von El Tarajal vorbeigeschwommen und seitdem geblieben.

Ceuta, das ist – ebenso wie die zweite spanische Exklave Melilla – für viele Migranten das Tor nach Europa. Für Europäer, auch für viele Spanier vom Festland, sind die beiden autonomen Städte vor allem: blinde Flecken. „Drüben in Spanien haben sie keine Ahnung, wie es hier wirklich ist“, sagt Juan, der in einem Kaffeehaus in der Altstadt sitzt. „Der Anlass mag kein schöner sein. Aber immerhin kann man uns jetzt auf der Landkarte verorten.“

Juan ist vor acht Jahren von Madrid hierher gezogen und hat mehrere Lokale eröffnet. Das Leben in Ceuta gefalle ihm. Es sei entspannt, billig, man kenne sich. Aufs Festland fährt er häufig. Gerade erst kam er mit seiner Familie aus Marbella zurück. Dorthin seien sie gegangen, als „alles außer Kontrolle geraten ist“.

Invasion oder Lawine

Was er meint, ist die Ankunft von 80.000 Menschen Ende Juli, für die in Ceuta noch nach den richtigen Worten gesucht wird. Manche sprechen von einer Invasion oder einem Angriff, andere von einer Lawine. „Horroroso“, furchtbar, sei das gewesen, hört man aber eigentlich immer. Innerhalb weniger Tage hat sich Ceuta einwohnermäßig verdoppelt, zwei Wochen später halten sich laut Regionalregierung noch bis zu 9.000 Erwachsene illegal in der Stadt auf. Dazu kommen 1.527 registrierte und viele undokumentierte Jugendliche.

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Yusef, der Taxi fährt, hat an jenen Tagen gearbeitet. Die Straßen seien so voll gewesen, dass er mit seinem Auto kaum durchgekommen sei. Auch er wohnt gerne in Ceuta, wo er schon sein ganzes Leben zu Hause ist. „Wir haben Strände, Berge, Marokko und wenn wir nach Spanien wollen, nehmen wir die Fähre.“ Auf der anderen Seite der Grenze hat er Familie, die er oft besucht. Das Zusammenleben in Ceuta, wo vier Kulturen vereint sind, funktioniere gut. 40 Prozent sind Muslime, 60 Katholiken, Juden und Hindus. „Wir haben uns immer respektiert. Hoffentlich bleibt das so.“

Der Austausch mit Marokko war historisch eng. Im Grunde war die Grenze zwischen Ceuta, Melilla und den angrenzenden Provinzen lange nur ein kaputter Zaun, erzählt der Politologe Enrique Ávila, der zu Migration in der Region forscht. Auch nachdem eine richtige Grenzbefestigung errichtet und Spanien Schengen-Mitglied wurde, hat man Sonderregelungen geschaffen. Viele Marokkaner kamen, um hier zu arbeiten. In der Pandemie schloss Rabat aber die Grenze. Das alte System wurde nie wiederhergestellt.

Auf der marokkanischen Seite haben damals Tausende Familien auf einen Schlag ihre Lebensgrundlage verloren. Das Industriezentrum „Las Naves“, wo einst Warencontainer teuer vermietet wurden, steht seitdem leer. …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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