
Die ehemalige Burgtheaterchefin Karin Bergmann wird interimistische Leiterin der Salzburger Festspiele. Das berichtet die APA. Sie folgt damit auf Markus Hinterhäuser, bei dessen frühzeitigem Ausscheiden Bergmann eine indirekte Rolle gespielt hat: Dass Hinterhäuser Bergmann zur Schauspielchefin machen wollte, anstatt das Ergebnis einer Ausschreibung abzuwarten, hat dem Kuratorium den letzten Anlass gegeben, den Konflikt eskalieren zu lassen.
Bergmann soll laut einer Aussendung des Bundeskanzleramts für die Saisonen 2026/27 übernehmen – voraussichtlich, denn sie soll bleiben, „bis eine neue Intendantin bzw. ein neuer Intendant eingesetzt ist“.
„Nun trage ich auch für mich selbst überraschend Verantwortung für die interimistische künstlerische Leitung der Salzburger Festspiele“, so Bergmann laut einer Aussendung. „Ich werde diese Aufgabe auf meine Weise und mit meiner eigenen Erfahrung wahrnehmen, zugleich aber mit großem Respekt vor dem künstlerischen Profil, das die Salzburger Festspiele in den vergangenen Jahren gewonnen haben. Dabei sind mir Sorgfalt, Verlässlichkeit und eine Kultur von Würde, Respekt und Vertrauen besonders wichtig. Dafür bitte ich die Künstlerinnen und Künstler ebenso wie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Festspiele um Vertrauen und Unterstützung. Jetzt gilt es, den Blick wieder auf die Kunst zu richten.“
Das Kuratorium zeigt sich glücklich über die Wahl Bergmanns: „Sie ist nicht nur eine Persönlichkeit von herausragender künstlerischer Exzellenz, sondern auch eine Top-Managerin, die mit Empathie, Menschenkenntnis und viel Erfahrung sensibel, aber bestimmt die Weichen für die Zukunft stellen wird. Dadurch stellen wir sicher, dass die Salzburger Festspiele mit einer zeitgemäßen Unternehmenskultur und einem anspruchsvollen Programm auch in den nächsten hundert Jahren das Publikum auf der ganzen Welt begeistern“, sagt die Vorsitzende, Landeshauptfrau Karoline Edtstadler (ÖVP).
Edtstadler hatte Anfang Februar wegen Bergmanns offenbar bevorstehender Kür durch Hinterhäuser noch eine Sondersitzung des Kuratoriums einberufen. Wie vom Kuratorium beauftragt, hatte der Intendant die Stelle ausgeschrieben: Die Bewerbungsfrist lief bis Mitte Dezember 2025, die Kandidaten in der Endrunde wurden am 28. Jänner gehört. Tags darauf bezeichnete die Kronen Zeitung die ehemalige Burgtheaterdirektorin Karin Bergmann als Favoritin – und zitierte Markus Hinterhäuser. Er hat für den heurigen Sommer neben dem Opern- auch das Schauspielprogramm konzipiert – und ließ sich dabei u. a. von Karin Bergmann beraten, die er als „liebe Freundin“ bezeichnet hat.
Über das folgende Wochenende sickerte jedoch durch, so die Salzburger Nachrichten, dass Bergmann sich weder schriftlich beworben noch am Hearing teilgenommen habe. Wenn dies stimme, meinte der Salzburger Bürgermeister Bernhard Auinger (SPÖ) gegenüber den SN, dann sei dies „ein Skandal“. Denn die Vorgangsweise widerspreche dem Auftrag des Kuratoriums, dass es „ein transparentes Auswahlverfahren mit einem Hearing gibt“. Das Gremium gehe davon aus, dass jene Person den Posten bekomme, die „aus dem Hearing als beste hervorgegangen ist“. Auinger versicherte, dass er in keiner Weise an den Qualifikationen von Bergmann zweifle. Und freilich obliege es dem Intendanten, eine künstlerische Abteilungsleitung auszusuchen. Doch jemanden zu bestellen, der nicht im Hearing gewesen sei, „das kann sich das Kuratorium nicht bieten lassen“.
Edtstadler zeigte Hinterhäuser dann eine metaphorische „Gelbe Karte“. Und wenige Wochen später dann eine rote: Der daran auflodernde Konflikt mit dem Kuratorium führte dazu, dass Hinterhäuser nunmehr beurlaubt ist und im September mit Ende seines ursprünglichen Vertrags …read more
Source:: Kurier.at – Kultur



