Sinnlichkeit und Besinnlichkeit: Strauss’ Lieder und Beethovens Landpartie

Kultur

Dass Christian Thielemann eine besondere Hand für Richard Strauss hat, bewies er nicht nur einmal am Pult der Wiener Philharmoniker in Oper und Konzert. Mit der Staatskapelle Berlin, der er seit Beginn der Spielzeit 2024/25 als Chefdirigent vorsteht, plant er dessen sämtliche, viel zu selten gespielte Orchesterlieder aufzuführen. Ein Plädoyer dafür war der erste Teil seines Gastspiels im Musikverein.

Den Auftakt gab pure Sinnlichkeit beim Lied „Verführung“. Thielemann ließ die Strauss’schen Klänge strömen und Julia Kleiter ihre prachtvolle Stimme darin baden, jedoch ohne, dass diese in einem einzigen Takt überschwemmt worden wären. Wann erlebt man bei einem Sopran eine präzise Wortdeutlichkeit? Ihr leuchtendes Timbre strahlte mit der besungenen Sonne etwa in „Ruhe meine Seele“ und „Morgen“ um die Wette.

Klangfluten

Alternierend sang Konstantin Krimmel vier der acht Lieder. Mit seinem kernigen Bariton setzte auch er auf eine absolut klare Aussprache. Er profitierte davon, dass das Orchester auch Oper spielt. Wenn die Klangfluten ihn zuzudecken drohten, griff Thielemann ein, sofort wurde reagiert. Wie ein Tribut an das gerade laufende Festival „Beethovens Spazierstock“ im Musikverein, mutete dessen „Sechste“ in F-Dur. Thielemann führte seine „Berliner“ auf eine Landpartie, die jegliche Hörgewohnheiten bei dieser „Sinfonia pastorale“ auslöschten, ganz so, als ob er einen zur Besinnung rufen wolle. Jedes Motiv lotete er akkurat aus.

Die „Szene am Bach“ wurde zu einer Art Kontemplation, das „Gewitter“ baute er bedächtig auf, der Donner grollte rund, die Blitze schlugen breit ein. Ovationen nach der prächtig, dramatisch intonierten „Egmont“-Ouvertüre zum Finale.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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