
Nigel Farage hatte die von ihm angestoßene Wahl vorab zu einem „Kampf zwischen einem Volksvertreter und dem Establishment“ hochstilisiert. Doch nun dürfte der Parteichef der in Umfragen führenden rechtspopulistischen Partei Reform UK sich in seinem Heimatwahlkreis Clacton-on-Sea nur einem einfachen Bürger im Mülleimer-Kostüm gegenübersehen.
„Count Binface“, auf Deutsch „Graf Eimergesicht“, sorgt mit seiner Kandidatur auf der Insel derzeit für viel Stirnrunzeln und Gelächter. Wie kam es dazu, dass der selbsternannte „Weltraum-Krieger“ tatsächlich gemeinsam mit Farage auf dem Wahlzettel stehen wird – und hat er eine Chance?
Worum es geht
Farage, der mit Reform UK derzeit landesweit in Umfragen auf Platz eins liegt, sah sich in den letzten Wochen mit Korruptionsvorwürfen konfrontiert. Unter anderem berichtete der Guardian über eine nicht deklarierte Geldspende in Höhe von fünf Millionen Pfund (5,8 Mio. Euro), die der Parteichef 2023 in Form von Kryptowährungen erhalten haben soll.
Farage beteuert, die Zahlung sei ein „persönliches Geschenk“ ohne jegliche Bedingungen gewesen. Der parlamentarische Ausschuss für Verhaltensstandards nahm Ermittlungen auf.
Vor zehn Tagen zog der Rechtspopulist dann die Reißleine. Bei einer Pressekonferenz erklärte Farage, er werde sein Parlamentsmandat niederlegen und Mitte August in seinem Wahlkreis erneut kandidieren: „Die Bürger von Clacton sollen über mein Handeln urteilen.“ Wohlwissend, dass seine Heimatgemeinde Clacton-on-Sea die größte Reform-Hochburg des Landes ist. Alle anderen Großparteien – Labour, Konservative (Tories), Liberale und Grüne – bezeichneten die Wiederwahl als „Ablenkungsmanöver“ und stellten keine eigenen Kandidaten auf.
Ein Mann jedoch sucht das direkte Duell mit Nigel Farage: Count Binface eben, der selbsternannte „intergalaktische Weltraumkrieger“ vom Planeten Sigma IX, der die Menschheit eigenen Angaben zufolge seit 5.900 Jahren beobachtet. Sein Wahlprogramm umfasste der Count im BBC-Interview knapp: „Ich bin nicht Nigel Farage.“
Wer hinter Count Binface steckt
Verkörpert wird Count Binface vom Comedian Jon Harvey, der die Figur 2019 erfand, nachdem er zuvor schon als „Lord Buckethead“ gegen Ex-Premierministerin Theresa May angetreten war. Seither hat Binface sechsmal kandidiert: 2019 gegen Boris Johnson, 2024 gegen Rishi Sunak, zweimal bei der Bürgermeisterwahl in London – dort holte er 2024 immerhin mehr als 24.000 Stimmen – sowie zuletzt bei der Nachwahl in Makerfield.
So groß wie diesmal waren seine Chancen auf ein Mandat jedoch noch nie – vorausgesetzt, der „Count“ bleibt bis August tatsächlich der einzige Gegenkandidat und kann die Stimmen aller Farage-Gegner auf sich vereinen. Bei der Parlamentswahl 2024 holte Reform UK in Clacton mit 46 Prozent schließlich keine absolute Mehrheit. In einer YouGov-Umfrage halten 60 Prozent der Briten Farage in der Spendenaffäre für unehrlich; selbst unter seinen eigenen Wählern von 2024 sagen das 40 Prozent.
Hat Count Binface eine Chance?
Glaubt der Count also daran, Farage schlagen zu können? „Wahrscheinlich nicht, aber es hat sich ein einzigartiges Fenster aufgetan“, erklärte Count Binface gegenüber der BBC. „Mein Wahlsieg wäre wahnsinnig lustig für das britische Volk, den Rest der Menschheit und natürlich auch für mich selbst.“ Buchmacher bescheinigen ihm eine Siegeschance von knapp 17 Prozent.
Sollte dem Comedian tatsächlich der historische Erfolg gelingen, wäre er wohl gezwungen, seine Verkleidung aufzugeben. Die Regeln des britischen Unterhauses sehen Kleidung vor, die „Respekt vor dem Amt“ ausdrückt, und verbieten Kopfbedeckungen. Darauf angesprochen sagte Binface im TV-Sender …read more
Source:: Kurier.at – Politik



