
Attacken der Freiheitlichen gegen Kunstschaffende und Kulturpolitiker haben zweifellos eine lange Tradition in Österreich. Schon 1995 gab es ein Wahlplakat der Wiener FPÖ („Lieben Sie Scholten, Jelinek, Häupl, Peymann, Pasterk … oder Kunst und Kultur?“), in dem diese den damaligen Burgtheater-Chef Claus Peymann und die spätere Literatur-Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek attackierten.
Nun veröffentlichte der freiheitliche Bezirksparteiobmann von Mariahilf Leo Lugner, Schwiegersohn von Baumeister Richard Lugner und Sohn des Architekten Martin Kohlbauer, der einst an der Akademie der bildenden Künste Wien studierte, ein Video auf seiner Social-Media-Seite, in dem er Vizekanzler und Kulturminister Andreas Babler (SPÖ) auf Schenkelklopfer-Niveau angriff. Der Vizekanzler wird darin als „Urin-Andi“ und „Brunzbecken-Babler“ bezeichnet.
Hintergrund ist Österreichs Beitrag zur diesjährigen Biennale in Venedig, eine der ältesten und bedeutendsten internationalen Ausstellungen für zeitgenössische Kunst und Architektur der Welt. Den Österreich-Pavillion gestaltete die österreichische Performance-Künstlerin Florentina Holzinger. Und das mit Erfolg, sollen doch die Menschenschlangen vor dem österreichischen Pavillion besonders lang sein.
Thema „Katharsis“
Holzingers „Seaworld Venice“ scheint die virale Sensation des Jahres zu sein. Teils Unterwasser-Themenpark, teils dystopische Kläranlage, zeigt es eine Frau, die in einer riesigen Glocke schwebt, die den ökologischen Kollaps thematisiert. Es geht um den unreflektierten Umgang mit Ressourcen, um die Wiederaufbereitung von Wasser, um die Katharsis.
Babler wird übrigens fälschlich attackiert: Das Engagement Holzingers geht auf Bablers Vorgänger in der Regierung, Kulturminister Werner Kogler (Grüne), zurück.
Source:: Kurier.at – Politik



