Kurz vor dem großen Auftritt: Die ungewöhnlichen Tricks der Profis

Wirtschaft

Der Adrenalinspiegel steigt, der Körper schaltet auf Kampf oder Flucht. Doch statt wegzulaufen, soll er funktionieren – im besten Fall sogar Höchstleistungen erbringen. Ob bei einer Präsentation vor versammelter Belegschaft, einem Konzert auf der großen Bühne, einer Operation am offenen Herzen oder im Wettkampf um den Europameistertitel.

Profis verlassen sich dabei nicht auf Zufall. Sie nutzen gezielte Techniken, um sich in den entscheidenden Minuten zu fokussieren. Manche davon wirken ungewöhnlich – doch sie folgen einem klaren Prinzip. Laut Daniela Soykan-Tober, langjährige ORF-Sportmoderatorin und Kommunikationswissenschafterin, greifen sie auf zwei Ebenen zurück. Welche das sind – und warum sie in jeder Jobsituation funktionieren.

Ebene eins: Inhalt

Der Inhalt muss sitzen, man „muss sich richtig anstrebern“ ist Soykan-Tober überzeugt, die in ihrem Podcast „Wertgespräche“ gemeinsam mit Experten analysiert, was über einen gelungenen Auftritt entscheidet. „Auch Improvisation verlangt eine gute Vorbereitung“, führt sie im KURIER-Gespräch aus. „Wenn ich viel über ein Thema weiß, fällt mir spontan in Situationen auch viel dazu ein.“ Was alles zum Inhalt zählt?

Bei Sportlerinnen wäre es hartes Training, die Technik, die Bewegungsabläufe oder die Skiroute zu kennen. Bei Moderatorinnen die tiefgründige Recherche, die Vorbereitung von Fragen und Texten. Und beim ATX-CEO die Kenntnis über die Unternehmenskennzahlen, um bei der nächsten Hauptversammlung zu glänzen.

In den Minuten bevor es ernst wird, empfiehlt Soykan-Tober, die Inhalte noch einmal zu überfliegen und – je nach Jobsituation – die wichtigsten Informationen an den Anfang zu stellen. „Der große Gamechanger ist zudem, sich auf die Zielgruppe vorzubereiten. Man muss sich überlegen, wen man erreichen möchte.“ Lampenfieber wäre völlig normal und oftmals auch hilfreich, weiß die Expertin. „Blut wird vom Kopf in den Körper gepumpt. Auf diesen Effekt muss man sich einstellen. Da hat man geistig gar nicht die Möglichkeit, die schönsten Sätze zu formulieren, wenn sie nicht vorbereitet sind“, sagt Soykan-Tober und ergänzt: „Nach den ersten Sekunden lässt der Hormoncocktail aber für gewöhnlich nach und dann flutscht es.“

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Ebene zwei: Körper

Auch der Körper kann auf Erfolg eingestellt werden. „Wer den Körper nach oben hin ausrichtet, stabil steht, Schultern locker lässt, manipuliert auch das Gehirn im positiven Sinn“, erklärt Soykan-Tober. Techniken gibt es viele: Die „High-Power-Pose“ von Amy Cuddy ist eine Variante. Der ehemalige ORF-Sportstar setzt auf die Visualisierung eines Baumes, bevor sie auf die Bühne geht: Ihre Beine stellt sie sich tief verwurzelt im Boden vor, ihr Kopf trägt eine große Baumkrone. „Macht man das kurz davor im Stillen, kann man sich körperlich in einen guten, inneren Zustand bringen.“

Bei extremer Nervosität helfen Ablenkungsmanöver: Box-Atmen (jeweils vier Sekunden lang einatmen, Atem anhalten, ausatmen und wieder Atem anhalten). „Das stimuliert den Vagusnerv und beruhigt.“ Auch möglich: Auf die Sinnesorgane fokussieren. Etwa indem man sich umsieht, welche drei Dinge man im Raum gerade hört, sieht oder fühlt.

Zuletzt lässt sich auch vorstellen, wie es sich anfühlt, wenn die Aufgabe erfolgreich bewältigt ist. „Im Sportcoaching visualisieren viele den Sieg und rufen dieses Gefühl schon im Vorfeld ab.“ Es wird hingespürt, wie sich der Moment anfühlt, wenn die Gänsehaut sich ausbreitet, der Stolz, die Freude und die Erleichterung groß sind.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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