
Philipp Maderthaners Analyse ist schonungslos, von den Chefs verlangt er mehr Klarheit.
KURIER: Ihre Führungskräfte-Umfrage zeigt viel Pessimismus bei Unternehmenslenkern. Kann man so eine Firma führen?
Philipp Maderthaner: Man sagt immer sehr schnell, es braucht Optimismus. Tatsächlich ist ein aufrichtiger Blick auf die Dinge wichtig. Die Wahrheit ist der Ausgangspunkt für jede Transformation. Kein Schönreden, kein Schlechtreden, die Dinge sehen, wie sie sind.
Heißt also: Es ist aktuell vieles ganz schlecht.
Naja, die Zeiten waren schon mal besser. Geopolitik, Energiepreise – das stimmt nicht gerade zuversichtlich. Wir sind in einer Phase, in der extrem viel von den Unternehmen verlangt wird. Auch, was ihre eigenen Veränderungen angeht.
Stagnation, Resignation, Planlosigkeit. Was ist es?
Ich sehe eine gewisse abwartend-pessimistische Haltung. Die nächste Stufe ist im Regelfall dann abwartend-optimistisch. Und dann geht es ins Tun. Jede Veränderung hat eine Phase der Starre. Einzelne schalten bereits auf Transformation, aber das ist noch weit weg von der Mehrheit.
Eigentümer haben die skeptischste wirtschaftliche Erwartung für die kommenden Monate, CEOs und Bereichsleitung sind optimistischer. Üben sich die Angestellten in Zweckoptimismus? Angestellte spüren es weniger. Die Eigentümer sind am nächsten am Markt, vor allem im KMU-Segment.
Die Veränderungsnotwendigkeit wird von allen klar gesehen. Aber die Umsetzung scheint schwierig. Oft werden die Mitarbeiter als Verhinderer genannt.
Würde ich nicht sagen. Es gibt ein paar Hürden: Bei den Führungskräften selbst, weil sie im Tagesgeschäft untergehen. Sie haben ihre Führungskompetenzen nicht gut genug entwickelt, delegieren zu wenig. Und auch strukturelle Schwächen sind dabei. Das sind riesige Bremsklötze.
Die Studie zeigt auch die neuen Prioritäten in den Chefetagen: Nachhaltigkeit ist kein Thema mehr, dafür dominiert das Tagesgeschäft.
Es geht in den Unternehmen um die schlichte Rentabilität. Die erreicht man mit höherer Wertschöpfung, etwa durch Innovation. Oder durch geringere Kosten durch mehr Effizienz, indem die PS der bestehenden Teams besser auf den Boden gebracht werden. Auch bei der KI wird das zum Thema: Sie wird eingesetzt, wo sie reale Ergebnisse erzielen kann. Es geht bei der KI nicht mehr um Unterhaltung oder Wow-Effekte, sondern um reale Beiträge zum Unternehmenserfolg.
Vielfach hört man: Wir sind in einer Zeit, in der nichts leicht geht. In der alles schwierig und mühsam ist.
So kann man das auf den Punkt bringen. Nichts geht gerade leicht, wirklich nichts. Da hilft nur das Verständnis, dass in solchen Zeiten die Stärksten gemacht werden. Diejenigen, die durch Krisenzeiten mit Beharrlichkeit gehen, gehen auch stark in die nächste Phase. Und wenn dann der Rückenwind wieder spürbar wird, geht es richtig bergauf. Ich bin sicher: In Krisenphasen wird viel geschaffen. Aber es ist eine brutale Zeit, weil viele rausfallen, die sich jetzt nicht stärken.
Wie kann man sich stärken?
Indem man jetzt die Dinge angeht, von denen man schon lange weiß, dass man sie schon längst hätte tun sollen. Wir warten oft, bis der Schmerz groß genug ist. In den meisten Unternehmen geht es jetzt um Rentabilität. Lange ging es um Wachstum, die Rentabilität hat viele Jahre niemanden interessiert. Aber plötzlich schauen sogar die Investoren bei ihren Start-ups darauf. Die Gesetze der Betriebswirtschaft sind nicht ausgehebelt. Unternehmen müssen Geld verdienen – ohne Gewinn gibt es …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



