Wo war die Leistung? Signa-Pleite bringt Alfred Gusenbauer vor Gericht

Wirtschaft

Vor dem Handelsgericht Wien wird dieser Tage nicht nur über Geld gestritten, sondern über den Wert von Einfluss, Netzwerken und politischer Erfahrung. Im Mittelpunkt steht der frühere Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ), der sich gegen den Vorwurf verteidigt, für seine Beratertätigkeit in der mittlerweile insolventen Signa-Gruppe Millionen kassiert, ohne dafür ausreichende Leistungen erbracht zu haben.

Der Insolvenzverwalter der Signa Holding fordert vor dem Wiener Handelsgericht 4,9 Millionen Euro von Gusenbauer zurück. Es geht um Beirats- und Beratungshonorare aus den Jahren 2022 und 2023, die aus Sicht des Verwalters ohne „nachvollziehbare Gegenleistung“ bezahlt worden sein sollen.

Gusenbauer bestreitet die Vorwürfe vehement. Er sei keineswegs ein „Karteileichen-Berater“ gewesen, sondern ein zentraler Faktor im internationalen Netzwerk der Signa. Als ehemaliger Kanzler habe er Reputation, politische Erfahrung und wirtschaftliches Know-how eingebracht – und damit einen messbaren Wert für den Konzern geschaffen.

Beirat in der Signa Holding

Tatsächlich war Gusenbauer der Signa über viele Jahre eng verbunden. Noch 2008, im Jahr seines Ausscheidens aus dem Kanzleramt, wechselte er in den Beirat der von René Benko gegründeten Holding. Später übernahm er auch den Vorsitz in Aufsichtsräten zentraler Immobiliengesellschaften des Konzerns.

Der Insolvenzverwalter zeichnet jedoch ein anderes Bild. Demnach habe der Signa-Beirat lange vor der Insolvenz Ende 2023 nicht mehr getagt. Dennoch seien allein für diese Funktion rund 1,4 Millionen Euro an Gusenbauer geflossen. Weitere 3,5 Millionen Euro wurden als Beratungshonorare überwiesen – ohne dokumentierte Leistungen, wie es heißt.

Investorenkontakte angebahnt 

Vor Gericht schilderte Gusenbauer seine Tätigkeit deutlich anders. Er sei als „öffentliches Aushängeschild“ der Signa engagiert gewesen, habe Investorenkontakte angebahnt und strategisch beraten – unter anderem im Zusammenhang mit der Übernahme und Sanierung der deutschen Warenhausgruppe Galeria Kaufhof. In der Endphase seiner Tätigkeit sei er nahezu täglich für den Konzern im Einsatz gewesen.

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Auch zum dramatischen Ende der Signa nahm der Ex-Kanzler Stellung. Aus seiner Sicht brachte das Platzen einer geplanten 400-Millionen-Euro-Investition eines südkoreanischen Pensionsfonds im Sommer 2023 das Kartenhaus ins Wanken. Die Sorge der Koreaner vor einer europäischen Immobilienblase habe letztlich einen fatalen Liquiditätsengpass ausgelöst.

Andere Sicht der Dinge

Bemerkenswert ist, was Gusenbauer dabei nicht erwähnte: die stark gestiegenen Zinsen, explodierende Energiepreise und die hochriskante Expansionsstrategie der Signa, die von Kritikern seit Jahren als tickende Zeitbombe beschrieben worden waren.

Ein Urteil wurde am Verhandlungstag noch nicht erwartet. Gegen Signa-Gründer René Benko werden in diesem Zivilprozess keine Forderungen erhoben. Der einstige Immobilien-Milliardär sitzt jedoch in Untersuchungshaft und wurde bereits in zwei Verfahren wegen Gläubigerschädigung verurteilt – die Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

Der Prozess gegen Gusenbauer wirft damit eine grundsätzliche Frage auf: Wann ist politische Vernetzung eine legitime Beratungsleistung – und wann wird sie zum teuren Symbol eines Systems, das kurz darauf spektakulär kollabierte?

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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