Ganymed Areal: Pathologie und Aperol Spritz

Kultur

 „Sie beginnen in der Pathologie.“ „So lange wir nicht dort bleiben müssen“, raunt man im Besuchergrüppchen, das die Anweisungen für den Theater-Rundgang auf dem Areal des ehemaligen Otto-Wagner-Spitals auf der Baumgartner Höhe entgegennimmt. Die Scherze vergehen bald, der Ort macht großen Eindruck.

Vorher kommt allerdings noch die Hockerausgabe im Jugendstiltheater, wo sich auch die Kantine befindet. Kurz vor 18 Uhr stehen dort schon Menschentrauben mit Bier und Aperol. Wer alle zwölf Spielorte in den nächsten drei Stunden besuchen will, muss sich allerdings sputen. Die Kritikerin hat es auch ohne Aperol nur auf zehn von zwölf gebracht. Das Versäumte wurmt noch lange. Denn manches, das sich die umtriebige, seit 2008 in Wien tätige bayrische Theatermacherin Jacqueline Kornmüller in ihrer neuesten Kreation ausgedacht hat, ist atemberaubend. Highlight: Johanna Doderers Musikstück „Für die Kinder von gestern“, gespielt und gesungen von Studierenden der Musik und Kunstuniversität der Stadt Wien (die auch in den meisten anderen Stationen agieren), gefolgt von einem Nachdenken über „Die Welt von morgen“ von und mit Franz Schuh. Inszeniert in der Küche der ehemaligen Heilanstalt. Das ambivalente Ambiente dieses mit so viel Geschichte aufgeladenen Ortes ist der Hauptdarsteller von „Ganymed Areal“.

Geschichte des Ortes

Mit Auftragswerken von u. a. Monika Helfer und Milena Michiko Flašar (wunderbarer Text, toll gespielt von Alma Hasun und Johanna Kam!), je einem Text von Christine Lavant und Amélie Nothomb, mit Kompositionen, Schauspielern und der Mitwirkung musikalischer Ensembles wie „Die Strottern“ und „Federspiel“, inszeniert Kornmüller die Geschichte Steinhofs. Die Interaktion mit dem Publikum ist ein wesentliches Element. Die Wandergruppen, die mit Hocker unterm Arm und Aperol in der Hand plaudernd zwischen Pathologie und Pavillons herumgehen, manchmal drängen und (zurecht) über die Organisation maulen, sind indes keine überzeugenden Darsteller und tun den teils fantastischen Performances keinen Gefallen. Gänsehautmomente wie mit dem Ensemble „Federspiel“, das sich in Pavillon 14 mit Blasinstrumenten aus den Spitalsbetten heraustrompetet, hätte man gerne feierlicher erlebt. 

  Anja Om und die Zeit nach dem Ende einer Freundschaft

Weitere Termine 2026:
9., 13., 30. Mai | 13., 20. Juni
19., 26. September | 3., 10., 17., 24. Oktober
18.00–21.00 Uhr

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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