Von Wien nach New York? DIeser Mann will neuer UN-Chef werden

Politik

Zumindest Montagabend, wenn um 19 Uhr das Fußballmatch Österreich gegen Argentinien angepfiffen wird, müssen für Rafael Grossi sämtliche Weltkrisen kurz Pause machen: Der 65-jährige Argentinier, Chef der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA mit Sitz in Wien, gilt als glühender Fan des runden Leders. Doch nicht allen Matches von Messi und Co. wird sich ihr Anhänger in aller Ruhe widmen können:

Rund um das ukrainische Atomkraftwerk Saporischja bringen weiterhin Drohnenangriffe die Alarmsysteme der IAEA immer wieder zum Glühen. Schon 19 Mal war das größte Atomkraftwerk Europas seit Kriegsbeginn ohne externe Stromversorgung – was ohne den oft lebensgefährlichen Einsatz der IAEA-Inspektoren zu einer verheerenden Kernschmelze hätte führen können.

Dass es im Ukraine–Krieg bisher noch zu keinem Atomunfall gekommen ist, sieht Grossi auch als einen beachtlichen Erfolg der von ihm seit 2019 geleiteten Behörde. Dem umtriebigen Spitzendiplomaten gelang im Kleinen, was im Großen noch unerreichbar scheint: Sechs Mal handelten Grossi und sein Team Waffenstillstände zwischen Russland und der Ukraine rund um das Gelände des umkämpften AKW aus. 

Dass sich der achtfache Vater samt Schutzweste und Helm mitten in die Kampfzone begab und so unabhängige Inspektionen erzwang, „hätte vor ihm kein Generaldirektor je getan“, schildert ein enger Mitarbeiter Grossis.

Strenge Wächter

„Es ist wichtig, dass die Welt erfährt, was wir tun“, sagt der Chef der IAEA immer wieder. Tatsächlich hat Rafael Grossi mit beständiger Medienpräsenz das Profil der Atomenergiebehörde geschärft. Er legte großen Wert darauf, zu zeigen, dass die IAEA mehr ist als „nur“ Aufpasser oder Wächter über sämtliche zivile oder militärische Nuklearaktivitäten.

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Zivile nukleare Forschungsbereiche – in den Laboren im niederösterreichischen Seibersdorf – reichen etwa von der Krebsvorsorge über die Bekämpfung von Insektenplagen bis hin zur Rettung des von einem Pilz weltweit bedrohten Bananenanbaus.

Die größte Herausforderung wartet in den kommenden Wochen im Iran auf den IAEA-Chef. Ein Rahmenabkommen, das den Krieg beenden soll, haben der Iran und die USA bereits unterzeichnet – nun liegt es an den Inspektoren der Atomenergiebehörde, zu kontrollieren, dass sich Teheran an sein Versprechen hält, keine Atomwaffen zu bauen.

Mehr Atomkraft

Am zivilen Nutzen der Atomkraft zweifelt der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde naturgemäß nicht. Er sieht sie als „nachhaltige Energiequellen“ in Zeiten stark steigenden Strombedarfs. „Mit Ausnahme von Österreich und Luxemburg“, wo die Ablehnung gegen Atomkraft weiter stark sei, sagt Grossi, habe sich die Lage in der Welt geändert: „Es gibt keine politische, ideologische Opposition mehr.“ Der aktuelle Bau von 73 Reaktoren (davon 35 in China) neben den derzeit existierenden 416 scheint dem IAEA–Chef recht zu geben.

Inspektionen, Messungen, hartnäckiges Drängen auf die Offenlegung aller Daten – bei allen möglichen Verstößen, die das Regime in Teheran wie schon bisher vollführte, wird Grossi bei seinem Stil bleiben: fordernd und streng, aber stets höflich und darauf bedacht, das Gespräch nie ganz abreißen zu lassen. Auch während der US-Angriffe gegen den Iran sei er mit Teherans Außenminister „im sporadischen Kontakt geblieben“, sagt Grossi gegenüber einer Gruppe internationaler Journalisten.

Seine Umgänglichkeit wurde ihm zuweilen als Schwäche ausgelegt, doch er wehrt sich: „Wenn ich mit dem Finger auf jemanden zeige, gibt es vielleicht keinen zweiten Dialog.“ Unparteilichkeit, zu der er und die Agentur verpflichtet seien, „ist …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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