Schuldirektor: „Eine handyfreie Schule ist das Beste für alle Beteiligten“

Politik

Markus Michelitsch ist Direktor des GRG23 in Wien-Liesing, wo er selbst mit zwei Klassen am „Handy-Experiment“ teilgenommen hat. Drei Wochen mussten die Schülerinnen und Schüler auf das Smartphone verzichten. Wie geht es ihnen heute? Für wie gefährlich hält er Social Media – und was sagt er zum geplanten Verbot? 

KURIER: Herr Direktor, Sie haben im Zuge des Handy-Experiments für Schulen selbst das Smartphone abgegeben und sich ein Klapp-Handy besorgt. Was haben Sie über Ihr Handy-Verhalten gelernt?

Markus Michelitsch: Das Auffälligste war, wie erschreckend notwendig das Smartphone für meinen beruflichen Alltag ist. 

Inwiefern?

Wir haben in der Schulverwaltung verschiedene Plattformen, die wir täglich brauchen. Da geht’s um Schülerstammdaten, um die Abrechnung von Dienstreisen und Ähnliches. Mit der ID-Austria kann ich das per Knopfdruck erledigen. Ohne wird es sehr mühsam.

Wie ging das mit dem Klapphandy?

Ich habe in den drei Wochen nur jene Plattformen verwendet, die ich unbedingt nutzen musste. Und für die habe ich neue Passwörter angefordert. Natürlich klappt vieles ohne Smartphone. Es benötigt aber mehr Zeit und Aufwand.

Sie haben vor dem Handy-Experiment gesagt, Sie seien ein „Newsjunkie“. Ist das nach dem Handy-Verzicht noch immer so?

Nicht mehr ganz so schlimm. Nachdem ich drei Wochen auf das Smartphone verzichtet habe, hat sich mein Verhalten geändert, reduziert. Früher habe ich die Seiten von Kurier, ORF, Standard etc. durchgescannt, ich habe Live-Ticker verfolgt, Ereignisse wie den Glockner-Prozess musste ich in Echtzeit erleben. Das hat stark nachgelassen. Von den sozialen Medien nutze ich nur noch Instagram und das nur beruflich. Ich folge Direktoren-Kollegen und Kanälen, die mich beruflich bereichern. Privates lasse ich aus.

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Was ist mit den Schülern? Hat sich deren Verhalten auch so verändert? 

Ich fürchte nicht. In meiner Wahrnehmung sind viele Schülerinnen und Schüler sehr schnell in die alten Muster zurückgefallen.

Die Kinder können einfach nicht aufs Handy verzichten?

Sie können schon. In der Verzicht-Phase hatten überraschend wenige ein Problem damit, den ganzen Tag ohne Smartphone auszukommen. Auch war überraschend, wie wenige den Feldversuch abgebrochen haben. Die meisten haben das durchgezogen, es wurden analoge Spiele gespielt, Schüler waren abends spazieren, sie haben sich gut gefühlt. Sobald das Smartphone wieder verfügbar war, kamen die alten Muster zurück. Und heute ist die Bildschirmzeit bei vielen gleich hoch wie zuvor. Was schockiert, denn wir reden hier von Kindern, die mitunter 10, 12 oder noch mehr Stunden am Tag am Handy sind.

Um das zu ändern, wollen Sie Ihre Schule komplett zur handyfreien Zone machen. Wird das etwas? 

Für die Unterstufe gilt das Verbot ja überall, und an unserem Standort haben wir die fünfte Klasse dazu genommen. Mir geht“s jetzt um die 6., 7. und 8. Klassen, die will ich mit einzubeziehen und das könnte schon ab Herbst soweit sein: Wir wollen Bildschirme aufhängen, auf denen alle wichtigen Informationen wie Stundenplanänderungen, Supplierungen etc. zu sehen sind. Die Schüler müssen das alles dann nicht am Handy nachschauen. Ich bin fest überzeugt, dass eine handy-freie Schule das Beste für alle Beteiligten ist. Schule und Eltern müssen besonders eng zusammenarbeiten und den Rahmen setzen, damit wir in die richtige Richtung gehen.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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