SOS Kinderdorf: Reformkommission legt Bericht vor – und es gibt neue Ermittlungen

Politik

Die Reformkommission um Irmgard Griss, ehemalige Präsidentin des Obersten Gerichtshofes, hat am Freitag ihren Abschlussbericht an SOS Kinderdorf abgeliefert. 

Die Organisation war im Herbst vergangenen Jahres in eine schwere Krise geschlittert, nachdem über die Stadtzeitung Falter erst Missbrauchsvorwürfe in zwei Kinderdörfern und dann auch gegen den Gründer Hermann Gmeiner und den langjährigen Präsidenten Helmut Kutin publik wurden. 

Durchgeführt wurden seither mehrere Gespräche mit Menschen, die sich auf einen Aufruf bei der Kommission gemeldet haben, auch Kinderdörfer und Jugendhäuser der Organisation wurden besucht, erklärt Griss zu Beginn. Der Fokus ihrer Arbeit sei darauf gelegen, welche Strukturen den Kinderschutz fördern würden – und welche hinderlich bzw. sogar gefährlich seien. 

Vier Muster

Die „hinderlichen und gefährlichen Muster“ fasst Hedwig Wölfl, Geschäftsführerin der Möwe, in vier Punkten zusammen: 

Alles tun, um den guten Ruf zu schützen. Fehler einzugestehen, falle schwer, sagt Wölfl. Der nächste Punkt schließt hier gleich an: 

Probleme und Missstände nicht offen und konsequent bearbeiten: Es gebe mehrere Berichte und Studien, die aber in der Schublade verschwunden und nicht in Schutzmaßnahmen zugunsten der Kinder eingeflossen seien.

Durchsetzung patriarchaler Macht: Es gebe eine Gruppe von Menschen, die SOS gegründet hat und auf die sich die Macht konzentriert habe. Gründer Gmeiner sei in dieser Struktur überhöht worden. Andere – vor allem Frauen – seien eher verschwiegen worden. 

Fragmentierung von Wissen: Wer was wusste und wer wofür verantwortlich war, sei oft unklar gewesen. 

Als der Skandal im Herbst geplatzt ist, hat die Organisation begonnen, sich neu aufzustellen – es gibt jetzt einen neuen Aufsichtsrat und eine neue Geschäftsführerin, demnächst soll ein zweiter Geschäftsführer bzw. eine zweite Geschäftsführerin bestellt werden.

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Neue Ermittlungen auf Basis von internem Bericht

Wölfl kritisiert im Zusammenhang mit dem Skandal die „mediale Skandalisierung“, unter der die Kinder gelitten hätten. Medien hätten eine „wichtige Kontroll- und Aufklärungsfunktion“, sagt Wölfl, fordert aber eine besondere Sorgfalt ein. Die Kommunikation von SOS Kinderdorf sei jedenfalls „offen und professionell“ gewesen. 

Zur Erinnerung: Durch Medienberichte wurde der Fall Gmeiner überhaupt erst publik und die Reformkommission eingesetzt. Ein 991-seitiger Bericht der „Independent Special Commission“ (ISC), der intern beauftragt wurde und dann jahrelang unter Verschluss war, wurde durch einen KURIER-Bericht an die zuständige Staatsanwaltschaft übergeben.

Dort heißt es am Freitag auf KURIER-Anfrage, dass zu den Vorwürfen, die dem Bericht zu entnehmen waren, Ermittlungen eingeleitet wurden. Details dazu – also um welche Vorwürfe es sich konkret handelt – kann der Sprecher der Staatsanwaltschaft Innsbruck nicht verraten. 

Erst durch Recherchen offengelegt

Auch die Tatsache, dass der langjährige Präsident Helmut Kutin vom Missbrauch durch einen Großspender wusste und diesen gedeckt bzw. ihm weiterhin Zugang zu Kindern ermöglicht hat, war nichts, das die Organisation von sich aus offengelegt hat. Nach und nach sickerten über Recherchen mehr Details zum ganzen Ausmaß durch (mehr dazu). 

Und als Ende November der neue Aufsichtsrat eingesetzt wurde, musste dieser die Geschäftsführung von der Schweigepflicht entbinden. Zu dem Zeitpunkt war die Griss-Kommission schon seit zwei Monaten eingesetzt und auch die Justiz ermittelte schon gegen einzelne Personen und unbekannte Täter innerhalb der Organisation.

Kutin, Gmeiner und der Großspender

Gegen die Schlüsselpersonen kann nicht mehr ermittelt werden: Gmeiner ist 1986 verstorben. Die Kommission identifizierte 16 Verdachtsfälle, acht …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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