Gmunden: „Alles ist dumm, lächerlich und geschmacklos“

Kultur

Von Werner Rohrhofer

Die einen lieben Thomas Bernhard, die anderen hassen ihn. Für ein Dazwischen bleibt wenig Raum. Das ist, so darf man annehmen, ganz im Sinne des Dramatikers (1931 – 1989), der bis heute für Diskussionen sorgt. So auch jetzt bei den Salzkammergut Festwochen in Gmunden mit dessen Stück „Elisabeth II“ in Spitzenbesetzung: Die Premiere wurde mit Standing Ovations goutiert.

Dass Bernhards überbordende Hassreden heute eher in Richtung kurios als gesellschaftskritisch gehen, das blendet die Inszenierung von David Bösch zugunsten der wortgetreuen Wiedergabe des Werkes weitgehend aus.

„Elisabeth II“ aus 1987 ist das vorletzte Stück des Dramatikers; die Uraufführung hat er nicht mehr erlebt. Inhaltlich geht es darum, dass Königin Elisabeth II“ ihren Besuch in Wien angesagt hat. Der Großindustrielle und Waffenhändler Rudolph Herrenstein (87) hat widerwillig eine Gruppe von Bürgern in sein Haus am Opernring eingeladen, die dort vom Balkon aus den Festzug beobachten sollten. Herrenstein selbst verweigert sich dem Spektakel und meidet den Balkon. Als die „Wiener Bourgeoisie“ auf dem Balkon versammelt ist, stürzt dieser in die Tiefe.

Nur Herrensein und sein Diener Richard bleiben am Leben. Ein Szenario, das Bernhard in der Figur des schwerkranken und an den Rollstuhl gefesselten Herrenstein jede Menge Möglichkeiten für die Abrechnung mit der vermeintlich „besseren Gesellschaft“, dem Land und Volk und der „verkrüppelten Welt“ insgesamt bietet.

Die Inszenierung im Stadttheater – eine Kooperation mit dem Landestheater Linz – setzt von Beginn an auf das Wort. Die Szene (Patrick Bannwart) ist spartanisch und bürgerlich zugleich: ein leerer Raum, nur ein überdimensionaler Kronleuchter hängt von der Decke.

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Ein Fast-Monolog

Für den Herrenstein konnte man mit Sven-Eric Bechtolf einen Schauspieler gewinnen, der diese Figur darstellerisch über das vordergründige Räsonieren hinaus entwickelt: Hier ist ein alter Mann, der seine innere Leere, seine Frustration und auch seine Sehnsucht nach Zuwendung mit maßloser Verächtlichmachung überdeckt. Da ist alles dumm, lächerlich, geschmacklos , nicht zum Aushalten – von Bad Aussee über das Burgtheater bis zu den Österreichern, die „ein verkommenes Volk“ sind. Für die Musik hört sich das so an: „Hugo Wolf ist der größte Komponist, Mahler ist eine Niete.“ Ein Fast-Monolog von eindreiviertel Stunden, den Bechtolf zum beeindruckenden Bühnenereignis macht.

Fast-Monolog deswegen, weil hier noch drei Personen sind, die aber kaum etwas zu sagen haben: der Diener Richard (Christian Higer), die Haushälterin (Gunda Schanderer) und ein Nachbar (Lutz Zeidler). Sie ergänzen als menschliche „Nebensächlichkeiten“ kongenial die Szenerie, die mit einem Knalleffekt im wahrsten Sinn des Wortes endet: Nicht nur der Balkon draußen stürzt ab, auch die Decke samt Luster landet krachend auf der Bühne.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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