Ben Lerners Roman „Transkription“: Der Text ist aus den Fugen

Kultur

Dieses Buch bietet Ihnen eine seltene Gelegenheit: Sie können den größten Albtraum jedes Journalisten nachspüren.

Der Erzähler des schmalen Bandes soll am Anfang Thomas, seinen alten Mentor – großer Künstler! wichtiger Intellektueller! –, interviewen, schmeißt aber sein Handy in die Abwasch. Weil das peinlich ist, tut er so, als liefe eine Aufnahme am kaputten Smartphone mit. Und erfindet später das, was das letzte Interview von Thomas werden sollte. Das hat jene Art von unangenehmen Folgen, bei denen man am liebsten mit dem Erzähler im Erdboden versinken würde.

Ben Lerner ist, das muss man an dieser Stelle vermerken, ein wahnsinnig kunstfertiger, gescheiter und auch lustiger Autor. Die New York Times feiert ihn als den „besten seiner Generation“.

Das ist alles nur erzählt

Und was dieser erzählt, geht ins Herz dessen, was heute die eigentlich größte Frage ist: Was denn in dem, was wir lesen, eigentlich Erfindung ist, und was echt.

Nein, das ist kein Nischenthema für jene Leute, die noch Bücher lesen. Sondern die zentrale Frage einer Welt, in der – danke für nichts, KI –, die Wahrheit aus den Fugen gerät.

Lerner schreibt Bücher und schreibt dabei zugleich über das Lesen und über das Schreiben, über das Fließende in den Fakten und die Fragen, die auch dann übrig bleiben, wenn etwas echt ist. In dieser Hinsicht ist „Transkription“, so schnell man auch durch ist, zentral: eine rasante Fahrt auf der Hochschaubahn eines Textes, der sich immer selbst dabei zuschaut, wie er die gefühlte Realität eins ums andere Mal um ein paar Grad wegkippt. Toll! 

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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