
Diesmal ausnahmsweise nicht im Stakkato-Verlautbarungsstil auf seiner Plattform „Truth Social“, sondern als „Rede zur Nation“ zur besten TV-Sendezeit in Amerika: Morgen, Donnerstag, wendet sich US-Präsident Donald Trump um 21.00 Uhr Ostküstenzeit (Freitag, 3.00 Uhr MESZ) an sein Volk. Dieses Format wählen US-Staatschefs immer dann, wenn es wirklich Substanzielles zu verkünden gibt. Viele Polit-Beobachter spekulieren darüber, ob es sich um eine neue Volte im Krieg gegen den Iran handeln könnte, einem von Washington gestarteten Waffengang, der Trump innenpolitisch vor den Kongress-Zwischenwahlen in dreieinhalb Monaten massiv in Bedrängnis bringt.
Angriffe und Gegenangriffe
Zuletzt ist dieser Konflikt wieder eskaliert. Der Iran griff in der Straße von Hormus Öltanker an – jüngst einen der Vereinigten Arabischen Emirate mit Marschflugkörpern. Die US-Streitkräfte attackierten Stellungen im Land der Mullahs. Woraufhin die Machthaber in Teheran wiederum US-Basen in Golfstaaten ins Visier nahmen. Die Gewaltspirale in der Region dreht sich seit dem Wochenende immer schneller. Und die Straße von Hormus, durch die vor Beginn des Krieges Ende Februar ein Fünftel der globalen Öl- und Flüssiggasexporte geschleust wurde, ist de facto wieder geschlossen.
In dieser Situation kündigte Trump am Montag an (diesmal auf „Truth Social“), dass die USA die Kontrolle über das maritime Nadelöhr der Weltwirtschaft übernehmen würden. Gleichsam als „Schutzengel der Meerenge“, wie er meinte. Doch das habe aus „Fairnessgründen“ einen Preis: Man werde 20 Prozent des Frachtwertes einkassieren.
Abgesehen davon, dass Teheran sofort klarstellte, dass man Washington niemals erlauben werde, die Hand auf die Straße von Hormus zu legen, war der internationale Aufschrei unter Reedereien und Experten groß. So pochte die Weltschifffahrtsorganisation IMO auf eine gebührenfreie Durchfahrt. Gemäß internationalem Recht müsse die Passage weiterhin zoll- und gebührenfrei bleiben, teilte die UN-Sonderorganisation mit.
Noch klarer wurde der Hauptgeschäftsführer des Verbandes Deutscher Reeder (VDR), Martin Kröger: „Kein einzelner Staat sollte den freien Zugang zu einer internationalen Wasserstraße einseitig von Gebühren abhängig machen“, sagte er zur Wirtschaftswoche. Und weiter: „Die zivile Handelsschifffahrt darf nicht zum Spielball geopolitischer Auseinandersetzungen werden“, forderte Kröger und wies auf potenziell steigende Transportkosten hin.
Ölpreis steigt um 15 Prozent in vier Tagen
Und die könnten es in sich haben, wie ein Experte der New York Times vorrechnet. Normalerweise würden Tanker-Reedereien für den Transport von Öl vom Persischen Golf nach Europa zehn US-Dollar pro Barrel veranschlagen, sagt Rico Luman, Ökonom mit Schwerpunkt Logistik bei ING Research. Bei einem aktuellen Barrel-Preis von knapp 87 US-Dollar (Dienstag mittags – ein Plus von fast 15 Prozent in nur vier Tagen) kämen für die Passage nochmals mehr als 17 US-Dollar dazu. Das Trumpsche „Schutzgeld“ würde also die Kosten für den Transport fast verdreifachen.
Der höhnische Kommentar des iranischen Außenministers Abbas Araghchi kam postwendend: „20 Prozent sind natürlich zu viel. Wir werden fair sein.“ Er spielte darauf an, dass auch Teheran an der Durchfahrt durch die Straße von Hormus verdienen will – was US-Außenminister Marco Rubio noch Mitte Juni mit den Worten quittiert hatte: „Kein Land darf auf einer internationalen Wasserstraße Mautgebühren oder Gebühren einheben. Das ist geltendes Völkerrecht“, was sein Chef nun aber offensichtlich anders sieht.
Völlig offen ist, wie Trump die Kontrolle über die Meerenge durchsetzen will. Laut dem …read more
Source:: Kurier.at – Politik



